Beim World Matchplay 2026 gehen mit Martin Schindler und Niko Springer zwei Deutsche in den Winter Gardens von Blackpool an den Start. Für den ersten deutschen Matchplay-Sieg seit sieben Jahren spricht die nüchterne Rechnung klar für Schindlers Duell mit Gerwyn Price, während Springers Auftakt gegen Titelverteidiger Luke Littler einer nahezu aussichtslosen Aufgabe gleicht.
Das zweitgrößte Ranglistenturnier der PDC steigt vom 18. bis 26. Juli 2026 im Empress Ballroom und schüttet erstmals eine Million Pfund aus, davon 225.000 an den Sieger. Zwei Deutsche im 32er-Feld sind ein Achtungserfolg für sich. Die eigentliche Frage lautet jedoch nicht, ob Schindler oder Springer den Titel angreifen, sondern ob überhaupt einer von beiden die erste Runde übersteht und damit eine der hartnäckigsten Durststrecken im deutschen Darts beendet. Weitere Turniervorschauen des Sommers in unserem Sportwetten-Magazin.
Seit Max Hopp 2019 wartet der deutsche Darts-Sport auf den zweiten Matchplay-Sieg
Das World Matchplay wird seit 1994 ausgetragen, doch die deutsche Bilanz ist ernüchternd. Erst 2018 qualifizierte sich mit Max Hopp überhaupt der erste Deutsche für die Bühne in Blackpool. Ein Jahr später gelang ihm der bislang einzige deutsche Matchplay-Sieg: 2019 zog Hopp in die zweite Runde ein. Seither ist die Statistik makellos negativ. Gabriel Clemens scheiterte dreimal in Folge in Runde eins, Ricardo Pietreczko verlor 2024 und 2025 jeweils sein Auftaktspiel, und auch Martin Schindler kehrte aus vier Teilnahmen zwischen 2022 und 2025 stets ohne Sieg zurück.
Damit ist die Ausgangslage klar umrissen. Deutschland wartet seit sieben Jahren auf den zweiten Erstrundensieg im Matchplay überhaupt. Vor diesem Hintergrund misst sich der Erfolg der beiden Starter 2026 nicht am Pokal, sondern an einer einzigen gewonnenen Partie.
Schindler gegen Price ist die Partie, in der der deutsche Matchplay-Bann fallen kann

Martin Schindler bringt von den beiden Deutschen die deutlich realistischere Ausgangslage mit. Der 29-Jährige aus Strausberg ist die unangefochtene Nummer eins des deutschen Darts, kletterte zwischenzeitlich bis auf Rang 13 der Weltrangliste und hält mit drei Titeln den deutschen Rekord auf der European Tour. Für das Matchplay qualifizierte er sich über die ProTour-Rangliste und trifft als ungesetzter Spieler auf den an Position sieben gesetzten Gerwyn Price.
Der Waliser ist ein schwerer Brocken, aber kein unbezwingbarer. Price wurde 2021 Weltmeister und stand 2022 im Matchplay-Finale, gilt in dieser Saison aber als anfällig und wirkte zuletzt nicht durchgängig fokussiert. Für Schindler spricht zudem die direkte Vergangenheit: Im Finale der International Darts Open 2024 setzte er sich gegen genau diesen Price durch und holte damit einen seiner ET-Titel. Die Kehrseite liefert allerdings die Matchplay-Historie. Schindlers Turnierdebüt 2022 endete mit einer 8:10-Niederlage, ausgerechnet gegen Price.
| Spieler | Siegquote | Marktimplizite Wahrscheinlichkeit |
| Gerwyn Price | 1,28 | rund 78 % |
| Martin Schindler | 3,70 | rund 27 % |
Marktübliche Match-Quoten, Stand kurz vor Turnierbeginn (Mitte Juli 2026). Die Werte sind Richtwerte und variieren je nach Anbieter; die Summe der impliziten Wahrscheinlichkeiten liegt margenbedingt über 100 Prozent.
Der Markt sieht Price also als klaren, aber nicht überragenden Favoriten. Für einen Underdog-Ansatz ist die Konstellation günstig: Schindler hat den Gegner bereits geschlagen, spielt die vielleicht stabilste Phase seiner Karriere und trifft auf einen Favoriten mit Fragezeichen. Kein anderes deutsches Erstrundenlos in Blackpool ist realistischer zu gewinnen.
Springers Debüt gegen Littler ist der brutalstmögliche Auftakt
Niko Springer erlebt in Blackpool eine Premiere unter denkbar schweren Vorzeichen. Der 26-jährige Mainzer gehört zu den vier Matchplay-Debütanten des Jahres und trifft ausgerechnet auf Titelverteidiger und Weltranglistenerster Luke Littler. Dabei ist Springer alles andere als ein beliebiger Qualifikant. Sein Durchbruch bei der Hungarian Darts Trophy 2025 bleibt eines der stärksten Debütjahre der jüngeren Tour-Geschichte: Auf dem Weg zum Titel bezwang er unter anderem Rob Cross, den damaligen Weltranglistenersten Luke Humphries, Josh Rock und im Finale Danny Noppert. Auch 2026 setzte er Ausrufezeichen mit Siegen über Michael van Gerwen, Gary Anderson und einem klaren Erfolg gegen Wessel Nijman.
Das Problem ist der Gegner und das Format zugleich. Littler gewann das Matchplay 2025 im ersten Anlauf als jüngster Champion der Geschichte, drehte im Finale einen 0:5-Rückstand gegen James Wade und geht als Titelfavorit ins Turnier. Springers bisherige große Auftritte gelangen zudem im kürzeren European-Tour-Modus. Das Matchplay verlangt über 19 Legs eine ganz andere Konstanz, und genau diese Erfahrung fehlt dem Mainzer auf höchster Bühne noch.
| Spieler | Siegquote | Marktimplizite Wahrscheinlichkeit |
| Luke Littler | 1,06 | rund 94 % |
| Niko Springer | 9,00 | rund 11 % |
Marktübliche Match-Quoten, Stand kurz vor Turnierbeginn (Mitte Juli 2026). Die Werte sind Richtwerte und variieren je nach Anbieter.
Die Quoten spiegeln diese Kluft ungeschminkt wider. Ein einstelliges Vielfaches auf Springer ist zwar reizvoll, doch die niedrige Littler-Quote zeigt, wie deutlich der Markt den Ausgang für entschieden hält. Wer auf einen deutschen Sieg zum Auftakt hofft, richtet den Blick besser auf die andere Partie.
Das lange Legs-Format macht Blackpool zur eigenen Prüfung
Das World Matchplay unterscheidet sich schon durch seinen Modus von der WM. Gespielt wird ausschließlich in Legs, in der ersten Runde im Best-of-19, also bis zehn Gewinnlegs. Zusätzlich muss jede Partie mit zwei Legs Vorsprung entschieden werden. Steht es 9:9, fällt die Entscheidung in einem einzelnen Sudden-Death-Leg, dessen Anwurf per Bull ausgespielt wird. Dieses Format belohnt Nervenstärke über die Distanz und bestraft kurze Konzentrationslöcher härter als ein Satzmodus.
Für Springer ist das ein zusätzlicher Nachteil, weil ihm auf großer Bühne die Routine über die lange Distanz noch fehlt. Für Schindler kann derselbe Modus zum Verbündeten werden. Sein Spitzname The Wall steht für ein geduldiges, fehlerarmes Spiel, das über 19 Legs schwerer zu knacken ist als in einem kurzen Schlagabtausch. Gerade wenn Price ins Schwanken gerät, kann sich Beständigkeit auszahlen. Die Gegenrechnung bleibt allerdings bestehen: Ein Weltklassespieler in Normalform ist über die volle Distanz meist der sicherere Wert, und beide deutschen Gegner erfüllen dieses Kriterium.
Warum schon ein einziger deutscher Sieg in Blackpool ein echter Erfolg wäre
Unter dem Strich hängt die deutsche Matchplay-Bilanz 2026 fast vollständig an Martin Schindler. Sein Duell mit Gerwyn Price ist die einzige Partie, in der ein deutscher Sieg mehr als eine Randnotiz der Statistik wäre, und die Kombination aus eigener Topform, einem angeschlagen wirkenden Favoriten und einem bereits geschlagenen Gegner macht die Aufgabe greifbar. Niko Springer bräuchte gegen Luke Littler dagegen den Abend seines Lebens, und selbst der würde über 19 Legs womöglich nicht reichen.
Sollte einer der beiden gewinnen, endet eine sieben Jahre lange Durststrecke, die selbst Deutschlands beste Darts-Generation bislang nicht durchbrechen konnte. Die aktuellen Sportwetten-News und der Turnierverlauf ab dem 18. Juli werden zeigen, ob 2026 das Jahr ist, in dem die Winter Gardens endlich wieder einen deutschen Sieger sehen.





















