Mit dem 0:2 gegen Spanien endet die Amtszeit von Didier Deschamps als französischer Nationaltrainer. 14 Jahre, ein WM-Titel, zwei WM-Finals und ein EM-Finale machen ihn zum erfolgreichsten Coach der Geschichte von Les Bleus. Am Ende blieb ihm der goldene Abschluss verwehrt, doch am französischen Nationalfeiertag stieg er noch zum alleinigen WM-Rekordtrainer auf.
Es hätte das perfekte Ende einer außergewöhnlichen Laufbahn werden können: der dritte WM-Finaleinzug in Serie, ein Kunststück, das vor Deschamps noch kein Nationaltrainer geschafft hat. Stattdessen war im Halbfinale gegen Spanien Schluss. Nach der Niederlage übergibt Deschamps ein Amt, das er 2012 übernommen und über 14 Jahre geprägt hat wie kein Zweiter.
Vom Krisenmanager zum Weltmeistertrainer
Als Deschamps im Juli 2012 die Nachfolge von Laurent Blanc antrat, übernahm er eine Mannschaft im Umbruch. Schritt für Schritt formte er sie nach seinen Vorstellungen: defensiv sicher, taktisch diszipliniert, pragmatisch. Der Weg nach oben verlief in Etappen. Bei der WM 2014 war im Viertelfinale gegen Deutschland Schluss, bei der Heim-EM 2016 folgte die Finalniederlage gegen Portugal.
Der große Triumph kam 2018 in Russland. Mit dem 4:2 im Finale gegen Kroatien wurde Deschamps Weltmeister und damit erst der dritte Akteur nach Mário Zagallo und Franz Beckenbauer, der den WM-Pokal sowohl als Spieler als auch als Trainer in den Händen hielt. Als Kapitän hatte er ihn 1998 selbst geholt. Im selben Jahr wurde er zum FIFA-Welttrainer des Jahres gekürt.
Die Titel und Endspiele einer 14-jährigen Amtszeit
Kein Trainer war länger und erfolgreicher für Frankreich verantwortlich. Die Bilanz umfasst einen WM-Titel, zwei weitere Endspiele und einen kontinentalen Titel.
| Jahr | Turnier | Ergebnis |
| 2016 | Europameisterschaft (Heim-EM) | Finale, Niederlage gegen Portugal |
| 2018 | Weltmeisterschaft | Weltmeister (4:2 gegen Kroatien) |
| 2021 | UEFA Nations League | Sieg |
| 2022 | Weltmeisterschaft | Finale, Niederlage gegen Argentinien (Elfmeterschießen) |
| 2026 | Weltmeisterschaft | Halbfinale, Niederlage gegen Spanien |
Das verlorene Finale 2022 gegen Argentinien, entschieden erst im Elfmeterschießen nach einem der dramatischsten Endspiele der WM-Geschichte, bleibt der bitterste Moment dieser Amtszeit. Die beiden Halbfinal-Niederlagen gegen Spanien, 2024 bei der EM und nun 2026, markieren die Grenze, an der Frankreich zuletzt zweimal scheiterte.
Rekordtrainer am Nationalfeiertag

Ausgerechnet in seinem letzten großen Spiel schrieb Deschamps noch Geschichte. Mit dem Halbfinale gegen Spanien am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, stand er zum 26. Mal als Trainer für ein WM-Team an der Seitenlinie und löste damit den früheren Bundestrainer Helmut Schön als alleinigen WM-Rekordtrainer ab. Schön hatte die DFB-Elf zwischen 1964 und 1978 in 25 WM-Spielen betreut. Auch bei den Siegen liegt Deschamps vorn.
Überschattet wurde das Turnier von einem privaten Schicksalsschlag. Ende Juni verstarb Deschamps‘ Mutter, weshalb er vorübergehend nach Frankreich zurückkehrte und ein Gruppenspiel aus der Heimat verfolgte. Dass er das Turnier anschließend zu Ende führte, fügt sich in das Bild eines Trainers, dem Disziplin und Pflichtbewusstsein stets über alles gingen.
Ein pragmatischer Stil, der polarisierte
Deschamps‘ Fußball war nie auf Schönheit ausgelegt, sondern auf Ergebnisse. Präsident Emmanuel Macron würdigte die „ruhige Kraft“ des Trainers und formulierte, dieser ziehe es vor, zu gewinnen, statt zu gefallen. Genau daran entzündete sich über die Jahre auch Kritik: Ein Kader von derartiger individueller Qualität, so der wiederkehrende Vorwurf, hätte spielerisch mehr hergeben können.
Dass Deschamps darauf eine Antwort fand, zeigte gerade dieses Turnier. Gegen Senegal trat seine Mannschaft geduldig auf, gegen Schweden zeigte sie im Sechzehntelfinale Offensivfußball, gegen die robusten Paraguayer setzte sie sich mit kühlem Kopf durch. Erst im Halbfinale gegen die beste Defensive des Turniers versagten die Mittel. Das Ausscheiden ändert wenig an der Einordnung durch Verbandschef Philippe Diallo, der Deschamps als größten Trainer der französischen Nationalmannschaft bezeichnet hat.
Zidane übernimmt: die schwere Erbschaft
Der Nachfolger steht fest. Zinédine Zidane, Weltmeister-Kollege von 1998 und dreifacher Champions-League-Sieger als Trainer von Real Madrid, übernimmt die Équipe Tricolore. Für ihn ist der Amtsantritt eine Hypothek, denn er wird von Beginn an an einer Person gemessen: an Didier Deschamps und dessen Bilanz.
Deschamps selbst schließt eine Rückkehr in den Trainerberuf nicht aus. In den vergangenen Monaten wurde er unter anderem mit der italienischen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht, die sich erneut nicht für eine WM qualifizieren konnte. „Ich verbiete mir für die Zukunft nichts“, sagte er dazu. Vorerst aber endet eine Ära, die den französischen Fußball über 14 Jahre zu einer der konstantesten Größen des Weltfußballs gemacht hat.
Wie es im Turnier weitergeht, zeigt sich am Mittwoch im zweiten Halbfinale. Die datenbasierte Einordnung liefert die Analyse zu England gegen Argentinien, den weiteren Turnierverlauf die WM-Prognose bis zum Finale. Alle Ergebnisse in Echtzeit liefert der Live-Score.





















