Bei der Straßenrad-WM in Montreal fällt am Sonntag, dem 27. September, die Entscheidung im Straßenrennen der Männer. Titelverteidiger Tadej Pogacar fehlt nach einem Sturz bei der Vuelta, und mit ihm fehlt der Fahrer, an dem sich die Favoritenfrage der vergangenen beiden Jahre entschieden hat.
Pogacar zog sich bei der Vuelta einen Schlüsselbeinbruch und eine Gehirnerschütterung zu und beendete seine Saison vorzeitig. Der Slowene hatte das Regenbogentrikot zuletzt zweimal in Folge geholt. In Montreal startet er nicht.
An seine Stelle rückt Remco Evenepoel. Der Belgier gewann am Beginn der Titelkämpfe das Einzelzeitfahren über 39,2 Kilometer und holte damit sein viertes WM-Gold in dieser Disziplin in Folge. Neben ihm nennen die Fachmedien Mathieu van der Poel, Wout van Aert, Tom Pidcock, Isaac del Toro und den erst 19 Jahre alten Paul Seixas als Anwärter auf den Titel. Belgien geht mit einer Doppelspitze aus Evenepoel und van Aert ins Rennen.
Die WM läuft seit dem 20. September und umfasst 13 Wettbewerbe mit rund 1.175 Starterinnen und Startern aus 100 Nationen. Das Straßenrennen der Frauen steht am Samstag, dem 26. September, auf dem Programm. Alle Termine und die Übertragung stehen in der Übersicht zur Rad-WM in Montreal.
273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter: Der Kurs am Mont Royal fragt Klassikerhärte ab
Die Strecke der Männer misst 273,7 Kilometer und summiert 3.803 Höhenmeter. Gestartet wird in Brossard, danach folgen zwölf Runden auf einem 13,4 Kilometer langen Stadtkurs mit jeweils 269 Höhenmetern. Schlüsselstelle ist die Voie Camillien-Houde am Mont Royal, 1,8 Kilometer bei durchschnittlich 8 Prozent Steigung, die pro Runde einmal zu fahren ist.
Der Kurs entspricht in seinen Grundzügen dem des Grand Prix Cycliste de Montréal und gilt damit als Klassikergelände, nicht als Terrain für reine Bergfahrer. Die Frauen absolvieren dieselben Runden über 180,4 Kilometer und 2.570 Höhenmeter. Das Zeitfahren war mit 220 Höhenmetern auf 39,2 Kilometern dagegen flach.
Für die Favoritenfrage heißt das: Das Profil begünstigt Fahrer, die nach mehr als sechs Stunden Renndauer noch einen Antritt am Berg haben und im kleinen Feld ankommen. Genau in dieser Kategorie liegen van der Poel, van Aert und Evenepoel dicht beieinander, während Pogacar in den Vorjahren allein durch seine Antrittshärte den Unterschied gemacht hatte.
Lipowitz fährt in Montreal als Formtest, Zimmermann und Brenner mit den besten deutschen Aussichten
Das deutsche Aufgebot für das Straßenrennen der Männer führt Florian Lipowitz an, dazu kommen Maximilian Schachmann, Marco Brenner, Georg Zimmermann, Felix Engelhardt und Nico Denz. Lipowitz kehrt nach einem Schlüsselbeinbruch aus dem Juli zurück; der Start gilt beim Verband als Formtest und nicht als Medaillenversuch.
Die Trainer bezeichnen eine Platzierung unter den ersten zehn als Traumergebnis und sehen die besten Aussichten bei Zimmermann und Brenner. Deutlich höher sind die deutschen Erwartungen im Straßenrennen der Frauen am 26. September, wo Franziska Koch nach ihrem Sieg bei Paris-Roubaix als Medaillenkandidatin gilt, unterstützt von Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind.
Warum es auf die Rad-WM in Montreal derzeit keine Quoten gibt
Wer Märkte zum WM-Straßenrennen sucht, findet am Markt kaum etwas. Die geprüften Dezimalquoten-Vergleiche führten am 22. September um 11:50 Uhr MESZ überhaupt keine Radsport-Sparte, entsprechend gab es weder eine Siegerwette noch eine Podiumswette auf das Rennen in Montreal.
Das ist kein Einzelfall bei Eintagesrennen abseits der großen Rundfahrten. Üblich sind bei WM-Straßenrennen drei Marktarten: die Siegerwette auf das Regenbogentrikot, die Platzierungswette auf einen Rang unter den ersten drei und das direkte Duell zweier Fahrer, bei dem nur zählt, wer von beiden vorne ankommt. Geöffnet werden diese Märkte oft erst in den letzten 48 Stunden vor dem Rennen, wenn die Startlisten endgültig stehen.
Zum Vergleich: Bei der Tour de France waren Etappensieg- und Duellwetten durchgehend verfügbar, wie die Analyse zu den Favoriten fürs Gelbe Trikot im Juli gezeigt hat. Ein dreiwöchiges Rennen mit täglichem Markt trägt den Aufwand, ein einzelnes WM-Rennen im Regelfall nicht. Ob sich das bis Sonntag ändert, lässt sich erst kurzfristig sagen.




