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Formel 1 Ungarn 2026: Antonelli Favorit, Hamilton lauert

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 24.07.26
geprüft von Sebastian Vierheim | 5 Min. Lesezeit

Formel 1 Ungarn 2026: Der elfte WM-Lauf am Sonntag, 26. Juli, ist zugleich das letzte Rennen vor der Sommerpause. Kimi Antonelli reist nach seinem Sieg in Spa-Francorchamps als klarer Favorit an, verliert am Hungaroring aber ausgerechnet jene Stärke, die den Mercedes-Titelkurs bisher getragen hat.

Nach zehn von 22 Rennen führt der 19-jährige Italiener die Fahrerwertung mit 204 Punkten an, 45 Zähler vor Lewis Hamilton. Der Vorsprung wirkt komfortabel, entstand aber überwiegend auf Kursen mit langen Vollgaspassagen. Budapest funktioniert anders: kaum Geraden, permanente Richtungswechsel, ein Streckenlayout, das Kurvenperformance höher gewichtet als Antriebsleistung. Genau deshalb ist das Rennen vor der Pause sportlich interessanter, als der Quotenmarkt auf den ersten Blick nahelegt.


Antonellis sechster Saisonsieg in Spa hat die WM-Führung auf 45 Punkte ausgebaut

Der Sieg in den Ardennen beendete eine Serie von drei sieglosen Rennen. Antonelli setzte sich dabei gegen Charles Leclerc durch, der als Zweiter bis zum Schluss Druck machte und nach seinem Erfolg in Silverstone erneut ein starkes Wochenende ablieferte. Max Verstappen komplettierte das Podium. George Russell dagegen schied bereits in der ersten Runde nach einer Kollision mit Hamilton aus und fiel in der Gesamtwertung hinter den Ferrari-Piloten zurück.

Damit hat sich die Titelfrage auf drei Fahrer verengt, wobei zwei davon im selben Team sitzen.

WM-Stand nach zehn von 22 Rennen

Platz Fahrer Team Punkte
1 Kimi Antonelli Mercedes 204
2 Lewis Hamilton Ferrari 159
3 George Russell Mercedes 154
4 Charles Leclerc Ferrari 126

In der Konstrukteurswertung liegt Mercedes mit 358 Punkten vorn, Ferrari folgt 73 Zähler dahinter. Auch dieses Polster ist kleiner, als es die erste Saisonhälfte vermuten ließ: Vier der jüngsten fünf Grands Prix gingen nicht an dieselbe Marke.


Warum der Hungaroring den Mercedes-Vorteil auf der Geraden weitgehend neutralisiert

Hungaroring Ungarn.jpg

Der 4,381 Kilometer lange Kurs bei Mogyoród gilt seit jeher als Kartbahn im Grand-Prix-Format. Über 70 Runden und rund 306 Kilometer verbringen die Fahrer vergleichsweise wenig Zeit bei voller Leistung, die Durchschnittsgeschwindigkeit gehört zu den niedrigsten im Kalender. Ein Auto, das seine Stärke aus dem Antriebsstrang und der Höchstgeschwindigkeit zieht, kann diesen Vorteil hier kaum ausspielen.

Hinzu kommt die neue technische Dimension der Saison 2026. Mit dem überarbeiteten Reglement ist das Energiemanagement zu einem eigenständigen Faktor geworden. Auf einem Kurs ohne lange Vollgasabschnitte verschiebt sich dessen Bedeutung deutlich gegenüber einer Strecke wie Spa, was die Setup-Arbeit am Freitag zusätzlich aufwertet.

Der zweite Streckenfaktor ist noch simpler: Überholmanöver sind in Budapest traditionell Mangelware. Startplatz und Boxenstopp-Strategie wiegen dadurch schwerer als anderswo. Wer am Samstag die Pole holt, kontrolliert das Rennen oft schon vor dem Start.

Der Zeitplan des Rennwochenendes

Tag Session Startzeit (MESZ)
Freitag, 24. Juli 1. Freies Training 13:30 Uhr
Freitag, 24. Juli 2. Freies Training 17:00 Uhr
Samstag, 25. Juli 3. Freies Training 12:30 Uhr
Samstag, 25. Juli Qualifying 16:00 Uhr
Sonntag, 26. Juli Rennen über 70 Runden 15:00 Uhr

Ferraris Kurvenstärke macht Leclerc und Hamilton zu den härtesten Gegnern in Budapest

Lewis Hamilton

Die Scuderia hat in den vergangenen Wochen ein klares Profil entwickelt. Auf den leistungsintensiven Kursen Silverstone und Spa, die dem Auto eigentlich nicht liegen sollten, holte Ferrari trotzdem einen Sieg und einen zweiten Platz. Der Grund liegt im Kurvenverhalten: Dort ist das Paket seit den Updates des Frühsommers konkurrenzfähig, teilweise sogar überlegen. Budapest ist die logische Fortsetzung dieser Entwicklung, weil der Rückstand auf der Geraden hier kaum ins Gewicht fällt.

Bei Hamilton kommt die Streckenhistorie hinzu. Mit acht Erfolgen am Hungaroring ist der Brite alleiniger Rekordsieger, vor Michael Schumacher mit vier Siegen. Budapest ist damit die erfolgreichste Strecke seiner Laufbahn. Sein bislang einziger Saisonsieg gelang ihm Mitte Juni in Barcelona, es war zugleich der erste Grand-Prix-Erfolg im Ferrari nach fast zwei Jahren ohne Sieg. In den Quotenmärkten für Ungarn wird er entsprechend als erster Verfolger des WM-Führenden geführt, mit Leclerc dicht dahinter.

Für die Scuderia ist das Timing günstig. Vier Wochen Pause folgen, in denen ein Rückstand kaum zu korrigieren, ein Momentum aber gut zu konservieren ist. Eine ausführliche Einordnung der Kräfteverhältnisse vor dem Ardennen-Wochenende bietet die Analyse zum Großen Preis von Belgien.


Was gegen den Ferrari-Coup spricht: Qualifying-Stärke, Reifen und 28 Grad am Sonntag

Die Gegenrechnung fällt ebenfalls deutlich aus. Mercedes stellt weiterhin das stärkste Gesamtpaket über eine schnelle Runde, und auf einer Strecke, auf der Überholen so schwer ist, entscheidet die Qualifying-Performance überproportional. Antonelli fuhr in Spa Pole und Sieg, ein Muster, das sich in Budapest wiederholen kann. Fällt er dagegen am Samstag hinter die erste Startreihe zurück, schrumpft sein Vorteil erheblich.

Der zweite Unsicherheitsfaktor sind die Bedingungen. Der Ungarn-Grand-Prix ist für Sommerhitze berüchtigt, in diesem Jahr fallen die Prognosen mit rund 27 Grad am Samstag und etwa 28 Grad am Sonntag vergleichsweise moderat aus. Regen ist unwahrscheinlich. Das Reifenmanagement über eine Distanz mit permanenten Lastwechseln bleibt trotzdem der zentrale Hebel, und die längere Standzeit der Reifen war zuletzt eher eine Ferrari-Stärke als eine Mercedes-Stärke.

Nicht unterschätzen sollte man Russell. Der Brite gewann den Saisonauftakt in Melbourne und den Großen Preis von Österreich, wurde in Silverstone Zweiter und stand 2025 in Budapest auf dem Podium. Sein Problem ist nicht die Pace, sondern die Konstanz. Wer die Bewertung solcher Ausgangslagen nachvollziehen möchte, findet die Grundlagen in der Analysemethodik der Redaktion sowie im Quotenvergleich.

Warum das Ergebnis in Budapest die Stimmung für vier Wochen Sommerpause festlegt

Der Große Preis von Ungarn markiert exakt die Saisonhalbzeit. Der Kalender 2026 war ursprünglich mit 24 Rennen geplant, nach der Absage der Läufe in Bahrain und Saudi-Arabien im März umfasst er noch 22 Grands Prix. Weiter geht es erst vom 21. bis 23. August in Zandvoort, wo zusätzlich ein Sprint gefahren wird und die Formel 1 zum letzten Mal in den Niederlanden gastiert.

Für Antonelli reicht in Budapest ein solides Resultat, um mit intaktem Polster in die Pause zu gehen. Für Ferrari ist es die beste Gelegenheit seit Wochen, den Rückstand vor dem Neustart auf ein Maß zu drücken, das in der zweiten Saisonhälfte realistisch aufholbar bleibt. Und für Russell ist es die Chance, eine Serie zu beenden, in der auf jeden Schritt nach vorn zwei zurück folgten.

Die Redaktion erwartet ein Rennen, das früh entschieden wird und dessen Weichen bereits am Samstag um 16:00 Uhr gestellt werden. Der Favoritenstatus des WM-Führenden ist verdient, aber er ist in Budapest schmaler als an jedem anderen Wochenende der bisherigen Saison. Eine Übersicht zu Märkten und Wettarten in der Königsklasse bietet die Rubrik Formel 1 Wetten.

Weiterführende Berichterstattung zum Rennwochenende liefert Motorsport.com, die Hintergründe zur Kalenderreduzierung dokumentiert Motorsport-Total.com.

Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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