Der Deutsche Fußball-Bund hat Jürgen Klopp am Freitag, 24. Juli 2026, offiziell als neuen Bundestrainer vorgestellt. Der 59-Jährige übernimmt die Nationalmannschaft von Julian Nagelsmann, der nach dem frühen Aus bei der Weltmeisterschaft zurückgetreten war. Sein Vertrag ist auf vier Jahre angelegt und reicht bis zur Weltmeisterschaft 2030. Mit ihm wechseln drei vertraute Weggefährten auf den DFB-Campus.
Die Personalie beendet eine Debatte, die den deutschen Fußball seit dem Turnierende beschäftigt hat. Klopp galt über Jahre hinweg als der Wunschkandidat, dessen Verpflichtung an vertraglichen Hürden zu scheitern drohte. Dass diese Hürden nun ausgeräumt wurden, verschiebt die sportliche Ausgangslage für die kommenden vier Jahre erheblich.
Die Vorstellung auf dem DFB-Campus
Die Pressekonferenz begann um 11.00 Uhr in der Verbandszentrale in Frankfurt. Der DFB hatte den Termin zwei Tage zuvor angekündigt, ohne den Namen des neuen Trainers zu nennen. Ein Detail der Einladung machte die Bedeutung des Termins allerdings früh deutlich: Der Verband kündigte eine digitale Tonspur mit englischer Übersetzung für internationale Medien an.
Formal war die Verpflichtung bis zuletzt an die Zustimmung der Verbandsgremien gebunden. Aufsichtsrat und Gesellschafter der DFB GmbH und Co. KG schalteten sich am Freitagmorgen digital zusammen und segneten den Vertrag ab. Bereits am Donnerstag hatte es dazu eine erste Sitzung gegeben, kritische Nachfragen soll es dort nur vereinzelt gegeben haben.
Vorbereitet wurde der Wechsel auf höchster Ebene. Verbandspräsident Bernd Neuendorf und sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke waren eigens nach New York gereist, um mit Klopp persönlich zu sprechen. Beide hatten sich nach dem Turnier schnell auf ihn als klar bevorzugte Lösung festgelegt.
Vertragsdaten: Bindung bis zur WM 2030

Der Kontrakt läuft bis einschließlich der Weltmeisterschaft 2030, die in Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen wird. Damit umfasst die Amtszeit zwei große Turniere: die Europameisterschaft 2028 in England, Wales, Schottland und Irland sowie die WM 2030. Eine Laufzeit über ein einzelnes Turnier hinaus ist beim DFB nicht selbstverständlich und signalisiert, dass der Verband auf einen längeren Aufbauzyklus setzt statt auf eine kurzfristige Reparaturlösung.
| Position | Angabe |
| Name | Jürgen Klopp, 59 Jahre |
| Amt | Bundestrainer der A-Nationalmannschaft |
| Vorgänger | Julian Nagelsmann |
| Vertragslaufzeit | bis einschließlich WM 2030 |
| Turniere im Vertragszeitraum | EM 2028, WM 2030 |
| Erstes Pflichtspiel | 24. September 2026, Nations League in Amsterdam |
Die Freigabe durch Red Bull
Der entscheidende Knoten lag außerhalb des DFB. Klopp war seit Januar 2025 als Global Head of Soccer bei Red Bull tätig, mit einem bis 2029 datierten Vertrag ohne Ausstiegsklausel für das Bundestraineramt. Genau diese Konstellation galt lange als das zentrale Hindernis, wie die juristische Ausgangslage im Detail zeigt.
Der Konzern gab seinen Fußballchef schließlich frei und verzichtete auf eine Ablösesumme. Nach Medienberichten wurde stattdessen eine Ausgleichslösung außerhalb einer klassischen Ablöse vereinbart. Klopp selbst trug dazu bei, indem er seine Verpflichtungen aus dem Red-Bull-Vertrag beendete. Der Interessenkonflikt, der sich aus seiner Rolle bei einem Unternehmen mit Bundesliga-Beteiligung ergab, ist damit ebenfalls aufgelöst.
Der Trainerstab: Krawietz, Lijnders und Bender

Klopp bringt einen Stab mit, der in weiten Teilen aus seiner Liverpooler und Dortmunder Zeit stammt. Die Kontinuität in der Zusammenarbeit ist dabei außergewöhnlich: Mit Peter Krawietz arbeitet er seit den Mainzer Jahren zusammen, über Dortmund und Liverpool bis zuletzt bei Red Bull in Leipzig.
| Name | Rolle | Gemeinsame Stationen mit Klopp |
| Peter Krawietz | Co-Trainer | Mainz 05, Borussia Dortmund, FC Liverpool, Leipzig |
| Pepijn Lijnders | Co-Trainer | FC Liverpool |
| Sven Bender | Co-Trainer | Borussia Dortmund (als Spieler unter Klopp) |
Pepijn Lijnders war von 2015 an in Liverpool tätig und stieg dort zum engsten taktischen Ansprechpartner Klopps auf. Sven Bender bringt eine andere Perspektive ein: Der frühere Nationalspieler wurde unter Klopp beim BVB deutscher Meister und hatte Anfang Juli seinen Vertrag beim Regionalligisten SpVgg Unterhaching aufgelöst. Damit deckt der Stab drei Ebenen ab, die klassische Spielanalyse, die Detailarbeit auf dem Platz und den direkten Draht zu einer Spielergeneration, die Bender aus eigener Erfahrung kennt.
Die ersten Aufgaben
Der Zeitrahmen ist eng. Bis zum ersten Pflichtspiel bleiben rund zwei Monate, in denen mehrere Grundsatzfragen zu klären sind. Der Ausgangspunkt ist ungünstig: Das Sechzehntelfinal-Aus gegen Paraguay, ein 1:1 nach 120 Minuten und eine 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen, war das dritte frühe WM-Aus in Folge und hat eine Grundsatzdebatte über die sportliche Führung insgesamt ausgelöst.
Die Torwartfrage
Manuel Neuer hat seinen erneuten Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, die Position im Tor ist damit neu zu vergeben. Als Kandidaten gelten Jonas Urbig vom FC Bayern München sowie die erfahreneren Oliver Baumann und Marc-André ter Stegen. Die Entscheidung ist keine Momentaufnahme, sondern legt die Achse für mindestens einen Turnierzyklus fest.
Kapitän und Führungsspieler
Bei Joshua Kimmich wird erwartet, dass er die Binde behält. Grundsätzlich dürfte Klopp jedoch zunächst Einzelgespräche mit den Führungsspielern führen, bevor er sich öffentlich festlegt. Dieses Vorgehen entspricht seiner bisherigen Praxis bei Amtsantritten und verschafft ihm Zeit, bevor die erste Nominierung ansteht.
Der Umgang mit den Routiniers
Offen ist die Perspektive der älteren Jahrgänge. Antonio Rüdiger, Pascal Groß und Leon Goretzka haben ihre Karrieren in der Nationalmannschaft nicht beendet, ebenso wenig Leroy Sané. Gleichzeitig drängen junge Spieler wie Lennart Karl und Said El Mala nach. Ein vollständiger Schnitt ist bis September praktisch ausgeschlossen, weil der Kader in dieser Länderspielphase weitgehend aus dem WM-Aufgebot bestehen wird. Realistischer ist eine schrittweise Öffnung.
Die Erwartungshaltung senken
Ein Punkt, den Klopp selbst in den Vordergrund gerückt hat, betrifft weniger die Aufstellung als die Kommunikation. Erwartungen sollten so formuliert werden, dass sie erfüllbar sind und im Idealfall übertroffen werden können. Nach drei Turnieren mit deutlich verfehlten Zielvorgaben ist das weniger Understatement als Korrektur einer Systematik, die zuletzt regelmäßig zu Enttäuschungen geführt hat.
Der Terminplan bis Jahresende

Alle verbleibenden sechs Länderspiele des Jahres 2026 sind Partien der Nations League. Testspiele stehen nicht auf dem Programm, was den Spielraum für Experimente einschränkt. Das Debüt findet am 24. September um 20.45 Uhr in Amsterdam gegen die Niederlande statt, innerhalb weniger Tage folgen Begegnungen mit Griechenland und Serbien.
| Termin | Ereignis |
| 24. September 2026, 20.45 Uhr | Niederlande gegen Deutschland in Amsterdam, Nations League |
| September und Oktober 2026 | Weitere Nations-League-Partien gegen Griechenland und Serbien |
| 6. Dezember 2026 | Auslosung der EM-2028-Qualifikationsgruppen in Belfast |
| 1. Januar 2027 | Amtsantritt des neuen Sport-Geschäftsführers |
Der wichtigste Termin mit Blick auf das erste große Turnier liegt am Jahresende. Am 6. Dezember werden in Belfast die Qualifikationsgruppen für die EM 2028 ausgelost. Da England, Wales, Schottland und Irland als Gastgeber gesetzt sind, verändert sich die Struktur der Qualifikation gegenüber früheren Zyklen.
Umbau auch in der Verbandsspitze
Die Trainerfrage war nicht die einzige Personalie des Tages. Per Mertesacker übernimmt zum 1. Januar 2027 den Posten des Sport-Geschäftsführers und folgt damit auf Andreas Rettig, der zum Jahresende ausscheidet. Der Weltmeister von 2014 leitete zuvor die Nachwuchsakademie des FC Arsenal und arbeitete zuletzt als TV-Experte.
Rudi Völler bleibt trotz der WM-Enttäuschung als Sportdirektor an Bord. Damit entsteht eine sportliche Führungsstruktur aus drei Ebenen, die mittelfristig neu austariert werden dürfte. In der Übergangsphase bis zum Jahreswechsel arbeitet Klopp zunächst mit der bestehenden Struktur.
Einordnung: Was sich verändert und was nicht
Die Erwartung an Klopp ist eine doppelte. Sportlich geht es um eine klarere taktische Linie und um Ergebnisse in K.-o.-Spielen, in denen Deutschland zuletzt dreimal in Folge scheiterte. Darüber hinaus verbindet der Verband mit der Verpflichtung die Hoffnung auf eine Stimmungswende, für die Klopp aufgrund seiner Kommunikationsstärke als besonders geeignet gilt.
Diese zweite Erwartung ist zugleich das größte Risiko. Ein Bundestrainer verfügt über deutlich weniger Trainingszeit als ein Vereinstrainer, und gerade die Klopp-Prinzipien Gegenpressing und hohe Intensität setzen eine intensive tägliche Arbeit voraus. Wie sich seine Spielidee auf den Rhythmus einer Nationalmannschaft übertragen lässt, ist die eigentliche sportliche Frage der kommenden Monate.
Bemerkenswert ist außerdem, wie eindeutig die öffentliche Erwartung dem tatsächlichen Verlauf vorausgelaufen ist. Schon in den Tagen nach dem WM-Aus führte Klopp die internationalen Kandidatenlisten deutlich an, obwohl der Vertragsstatus zu diesem Zeitpunkt noch als kaum lösbar galt. Der Fall ist damit ein Beispiel dafür, wie schnell sich vermeintlich feste Vertragslagen im Fußball auflösen, sobald alle Beteiligten dasselbe Ziel verfolgen. Ein vergleichbarer Umbruch vollzieht sich derzeit auch bei anderen Verbänden, etwa in Portugal nach dem Rücktritt von Roberto Martínez.
Klopp ist der 13. Bundestrainer in der Geschichte des Verbandes. Seine Trainerlaufbahn begann 2001 bei Mainz 05, es folgten Borussia Dortmund mit zwei Meisterschaften und einem Champions-League-Finale sowie der FC Liverpool mit dem Champions-League-Titel 2019 und der ersten englischen Meisterschaft des Klubs seit 30 Jahren. Der erste Beleg dafür, ob sich diese Bilanz auf die Nationalmannschaft übertragen lässt, steht am 24. September in Amsterdam an.





















