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Trainerwechsel bei RB Leipzig: Ole Werner raus, Martín Demichelis übernimmt

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 24.07.26
geprüft von Sebastian Vierheim | 5 Min. Lesezeit

RB Leipzig geht mit einem neuen Cheftrainer in die Saison 2026/27. Ole Werner wurde am 17. Juni 2026 mit sofortiger Wirkung freigestellt, obwohl er den Klub zuvor auf Platz drei und zurück in die Champions League geführt hatte. Nachfolger ist der Argentinier Martín Demichelis, der einen Vertrag bis 2028 unterschrieben hat. Seit dem 13. Juli leitet er das Training am Cottaweg.

Die Personalie hat durch die Ereignisse dieser Woche zusätzliche Brisanz bekommen. Jürgen Klopp, der die Entscheidung als globaler Fußballchef von Red Bull maßgeblich vorangetrieben hatte, ist seit dem 24. Juli 2026 Bundestrainer. Der wichtigste Fürsprecher des neuen Leipziger Trainers hat den Konzern also verlassen, bevor Demichelis sein erstes Pflichtspiel bestritten hat.


Die Trennung von Ole Werner

Der Zeitpunkt war ungewöhnlich. Leipzig hatte die Spielzeit 2025/26 auf dem dritten Platz beendet, mit 65 Punkten, 20 Siegen und einem Torverhältnis von 66:47. Nach einer Saison ohne europäisches Geschäft, der ersten in der Bundesliga-Geschichte des Klubs, war die Rückkehr in die Königsklasse das erklärte Hauptziel. Es wurde erreicht.

Kennzahl Saison 2025/26 Wert
Abschlussplatzierung 3. Platz
Punkte 65
Siege 20 aus 34 Spielen
Tore 66:47, Torverhältnis plus 19
Europapokal Qualifikation für die Champions League

Der Verein begründete die Trennung mit dem Bedarf an einer inhaltlichen Weiterentwicklung und einer veränderten Herangehensweise für die kommenden Aufgaben. Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer verwies auf eine abschließende Saisonanalyse, deren Ergebnis am Dienstagabend zuvor in den Beschluss mündete, die Cheftrainerposition neu zu besetzen. Mit Werner mussten auch die Co-Trainer Patrick Kohlmann und Tom Cichon gehen.

Bemerkenswert ist der Kurswechsel innerhalb weniger Wochen. Unmittelbar nach der geschafften Qualifikation war Schäfer noch gewillt, zeitnah mit Werner zu verlängern. Anfang Juni ruderte er öffentlich zurück und verwies auf die noch ausstehende Analyse.


Der Hintergrund der Entscheidung

Berichten des Fachmagazins kicker zufolge gab es inhaltliche Bedenken sowie Kritik an der Kommunikation des Trainers. Werners Verhältnis zu Jürgen Klopp, damals Head of Global Soccer bei Red Bull, soll spürbar abgekühlt sein. Klopp und sein Beraterkreis, zu dem Mario Gomez, Jürgen Kramny, Peter Krawietz und Zsolt Löw gehörten, diskutierten bereits im Saisonverlauf mehrfach über eine Veränderung auf der Cheftrainerposition. Schäfer hielt in diesen Phasen zweimal an Werner fest.

Der zentrale Einwand betraf weniger die Ergebnisse als die Entwicklung. Aus Sicht der übergeordneten Konzernebene fiel der Fortschritt in einer Saison ohne Europapokalreisen und mit entsprechend vielen Trainingseinheiten zu gering aus. Für die anstehende Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League wurde ein anderes Profil gesucht.

Diese Konstellation ist ein Lehrstück über die Entscheidungswege im Red-Bull-Kosmos, in dem die sportliche Führung eines einzelnen Klubs nur eine von mehreren Instanzen ist. Wie eng Klopps Rolle mit den Vereinsstrukturen verflochten war, zeigte sich zuletzt auch bei der juristischen Debatte um seinen Wechsel zum DFB.


Martín Demichelis: Profil und Vertragsdaten

Martín Demichelis

Demichelis kam vom spanischen Erstligisten RCD Mallorca, bei dem Leipzig eine Ausstiegsklausel in Höhe von 2,5 Millionen Euro zog. Für den 45-Jährigen ist es die Rückkehr in den deutschen Fußball nach 15 Jahren und zugleich die erste Cheftrainerposition in der Bundesliga.

Angabe Detail
Name Martín Demichelis, 45 Jahre, Argentinier
Vertragslaufzeit zwei Jahre, bis 2028
Vorheriger Klub RCD Mallorca
Ablöse Ausstiegsklausel von 2,5 Millionen Euro
Größter Trainererfolg Argentinische Meisterschaft 2023 mit River Plate
Spielerkarriere in Deutschland FC Bayern München, 2003 bis 2011, 259 Pflichtspiele

Die Bilanz als Trainer ist gemischt. Dem Meistertitel mit River Plate steht der Abstieg mit Mallorca aus LaLiga gegenüber. Schäfer hob bei der Vorstellung die internationale Erfahrung des Argentiniers in Europa, Südamerika und Nordamerika hervor sowie die Verbindung aus klarer Spielidee und hoher Intensität. Genau diese Kombination gilt als das Argument, das intern den Ausschlag gab.


Was sich sportlich ändern soll

Bei der Pressekonferenz zum Trainingsauftakt am 13. Juli machte Demichelis deutlich, dass er das Leipziger Grundprinzip nicht antasten will. Intensität, Mut und Offensivausrichtung bezeichnete er als Identität des Klubs. Auch an der Grundordnung will er zunächst festhalten: Das unter Werner etablierte 4-3-3 mit Viererkette bleibt die Ausgangsformation.

Der Unterschied soll in der Detailarbeit liegen. Genau hier lag der Vorwurf an den Vorgänger, dessen Entwicklungsarbeit aus Konzernsicht zu langsam voranschritt. Für Demichelis bedeutet das eine schwierige Ausgangslage: Er soll eine Spielidee verfeinern, die im Kern bereits vorhanden war, und gleichzeitig einen Kader umbauen.

Der Kaderumbruch

Der Umfang des Umbruchs ist erheblich. Der Kader umfasste zu Beginn der Vorbereitung noch rund 35 Profis und muss deutlich verkleinert werden, während der interne Finanzplan Einnahmen aus Transfers vorsieht. Berichten zufolge steht eine zweistellige Zahl an Spielern auf der Streichliste. Demichelis hat angekündigt, jedem Spieler vier bis fünf Wochen der Vorbereitung Zeit zu geben, bevor endgültige Entscheidungen fallen.

Für die Einschätzung der ersten Saisonwochen ist das der zentrale Punkt. Ein Kader, dessen Zusammensetzung bis in den August hinein offen bleibt, erschwert die Bewertung von Einzelspielmärkten erheblich. Eine vergleichbare Ausgangslage besteht derzeit auch bei Borussia Dortmund, wo der Umbruch die Bewertung der Saison ebenfalls verzerrt.


Die veränderte Konstellation nach Klopps Wechsel

Mit der Vorstellung Klopps als Bundestrainer hat sich die Ausgangslage für Demichelis binnen weniger Wochen verschoben. Der Mann, der ihn nach Leipzig geholt hat, arbeitet nicht mehr für Red Bull. Auch Peter Krawietz, Teil des Beraterkreises, ist als Co-Trainer zum DFB gewechselt.

Mario Gomez bleibt als Technischer Direktor im Klub, was für Demichelis eine gewisse Kontinuität bedeutet: Beide spielten in der Saison 2009/10 gemeinsam beim FC Bayern. Offen ist jedoch, wer die Rolle des globalen Fußballchefs künftig ausfüllt und mit welchen Prioritäten. Ein Trainer, der ohne den internen Fürsprecher startet, der ihn durchgesetzt hat, arbeitet grundsätzlich mit einem geringeren Kredit als einer, der auf eine gewachsene Rückendeckung bauen kann.


Der Terminplan bis zum Saisonstart

Die Vorbereitung begann am 13. Juli mit einem öffentlichen Training, das erste Testspiel folgte am 18. Juli gegen die VSG Altglienicke. Der Ernstfall beginnt im August.

Termin Ereignis
13. Juli 2026 Trainingsauftakt und Vorstellung von Demichelis
21. bis 24. August 2026 1. Runde im DFB-Pokal
28. bis 30. August 2026 1. Bundesliga-Spieltag, Saisoneröffnung am 28. August
4. bis 6. September 2026 2. Spieltag, Auswärtsspiel bei Werder Bremen
Mai 2027 34. Spieltag, Abrechnung aller Langzeitmärkte am 22. Mai

Hinzu kommt die Ligaphase der Champions League, die den Kalender ab September zusätzlich verdichtet. Genau diese Dreifachbelastung war das Argument, mit dem die Trennung von Werner begründet wurde. Sie wird damit auch zum Maßstab, an dem Demichelis gemessen wird.

Einordnung für die kommende Saison

Sportlich bleibt Leipzig ein Kandidat für die vorderen Ränge, ohne den Bayern gefährlich werden zu können. Die realistische Zielgröße ist erneut eine Platzierung unter den ersten vier, die in den Marktbewertungen zur Champions-League-Qualifikation entsprechend eingepreist ist. Die Meisterschaft selbst ist bei der aktuellen Kräfteverteilung kein sinnvoller Bezugspunkt, wie der Blick auf die Titelfavoriten zeigt.

Drei Faktoren machen die Einschätzung schwieriger als in normalen Sommern. Erstens endete die Weltmeisterschaft erst am 19. Juli, wodurch ein Teil der Nationalspieler verspätet in die Vorbereitung einsteigt. Zweitens bleibt der Kader bis weit in den August hinein unfertig. Drittens ist ein Trainerwechsel nach einer erfolgreichen Saison ein seltener Vorgang, für den es kaum belastbare historische Vergleichsfälle gibt.

Die nüchterne Lesart lautet daher: Leipzig hat eine funktionierende Struktur gegen die Aussicht auf mehr eingetauscht. Ob dieser Tausch aufgeht, wird sich nicht an den ersten Ergebnissen ablesen lassen, sondern erst dann, wenn der Klub im Oktober und November parallel in drei Wettbewerben gefordert ist. Bis dahin sind die ersten Spieltage vor allem eines: schwer kalkulierbar.

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Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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