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Tour de France 2026 Finale: Pogačar vor dem fünften Gesamtsieg, das Podium bleibt offen

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 24.07.26
geprüft von Sebastian Vierheim | 6 Min. Lesezeit

Vor dem Tour de France 2026 Finale am 26. Juli in Paris führt Tadej Pogačar mit 4:32 Minuten und steht vor seinem fünften Gesamtsieg. Die eigentliche Entscheidung dieser Rundfahrt fällt an diesem Wochenende jedoch zwei Ränge tiefer, im Zweikampf um Platz drei und das Weiße Trikot.

Die 113. Auflage der Frankreich-Rundfahrt hat ihre Spannung im Kampf um Gelb früh verloren und an anderer Stelle wiedergefunden. Nach 18 von 21 Etappen trennen den Führenden und seinen ersten Verfolger mehr als viereinhalb Minuten, während zwischen dem dritten und dem vierten Platz gerade einmal 20 Sekunden liegen. Vor den beiden Bergankünften auf Alpe d’Huez und dem Schlusstag über den Montmartre zeigt dieser Artikel, welche Wertungen tatsächlich noch offen sind, wo die Abstände belastbar sind und warum die Schlussetappe nach Paris ihren Charakter als reines Schaulaufen verloren hat. Alle Zahlen beziehen sich auf den Stand vor der 19. Etappe am 24. Juli 2026.


Warum Pogačars fünfter Toursieg vor den letzten drei Etappen praktisch feststeht

Der Vorsprung des Slowenen auf Remco Evenepoel beträgt 4:32 Minuten, und er ist über die zweite und dritte Woche stabil geblieben. Der Belgier hat in dieser Phase durchaus geliefert: Er gewann die Bergankunft am Plateau de Solaison und das Einzelzeitfahren von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains. Beides reichte nicht, um den Rückstand in eine Größenordnung zu bringen, die sich in zwei Bergetappen noch aufholen ließe.

Tadej Pogačar

Hinzu kommt, dass die beiden Fahrer ausgefallen sind, die dem Titelverteidiger in den Alpen am ehesten hätten gefährlich werden können. Jonas Vingegaard gab die Tour nach einem Sturz auf der 15. Etappe auf, Florian Lipowitz stürzte im Zeitfahren der 16. Etappe schwer und musste die Rundfahrt ebenfalls verlassen. Damit fehlen dem Feld die beiden Fahrer, die zuletzt am konstantesten am Niveau von Pogačar gekratzt haben.

Die Gesamtwertung vor der 19. Etappe

1 Tadej Pogačar UAE Team Emirates XRG Führender
2 Remco Evenepoel Red Bull Bora hansgrohe + 4:32
3 Isaac del Toro UAE Team Emirates XRG + 6:51
4 Paul Seixas Decathlon CMA CGM + 7:11
5 Juan Ayuso Lidl Trek + 9:22
6 Mattias Skjelmose Lidl Trek + 10:14
7 Lenny Martinez Bahrain Victorious + 12:50
8 Tom Pidcock Pinarello Q36.5 + 12:58

Ein fünfter Gesamtsieg würde Pogačar in eine Reihe mit Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain stellen. Mehr als fünf Erfolge hat bei der Tour bislang niemand erreicht.


Del Toro gegen Seixas: 20 Sekunden entscheiden über Podium und Weißes Trikot

Der interessanteste Wettkampf dieser Tour findet auf den Rängen drei und vier statt, und er ist doppelt aufgeladen. Isaac del Toro liegt als Dritter 6:51 Minuten zurück und führt gleichzeitig die Nachwuchswertung an. Sein Vorsprung auf Paul Seixas beträgt in beiden Wertungen exakt 20 Sekunden. Wer am Sonntag in Paris vor dem anderen liegt, gewinnt damit zugleich das Weiße Trikot und den letzten Podestplatz.

Die Konstellation ist auch personell reizvoll. Seixas ist der jüngste Fahrer im Feld, geboren am 24. September 2006, und bestreitet seine erste dreiwöchige Rundfahrt ausgerechnet im eigenen Land. Del Toro fährt für dasselbe Team wie der Gesamtführende und muss seine eigenen Ambitionen mit der Rolle als Helfer in Einklang bringen. Genau darin liegt sein taktisches Risiko: Sobald Evenepoel angreift und Pogačar reagieren muss, entstehen Situationen, in denen der Mexikaner zwischen Teamauftrag und eigenem Klassement steht.

Die Nachwuchswertung vor der 19. Etappe

1 Isaac del Toro Führender
2 Paul Seixas + 0:20
3 Juan Ayuso + 2:31
4 Lenny Martinez + 5:59

Hinter den beiden lauert mit Juan Ayuso ein Fahrer, der 2:31 Minuten zurückliegt und gemeinsam mit Mattias Skjelmose die zahlenmäßig stärkste Angriffsoption stellt. Lidl Trek hat als einziges Team zwei Fahrer in den Top sechs und kann einen der beiden vorausschicken, um die Verfolger zu einer Reaktion zu zwingen. Ob sich daraus mehr als Positionsverschiebungen im hinteren Teil der Top zehn ergeben, ist offen.


Was das Doppel auf Alpe d’Huez an den Abständen noch verändern kann

Was das Doppel auf Alpe d'Huez an den Abständen noch verändern kann

Zum ersten Mal in der Tour-Geschichte enden zwei aufeinanderfolgende Etappen auf Alpe d’Huez. Die 19. Etappe von Gap ist mit 127,9 Kilometern die kürzeste reguläre Straßenetappe dieser Rundfahrt und trotzdem rund 3.500 Höhenmeter schwer. Schon nach knapp fünf Kilometern folgt der Col Bayard, kurz darauf der Col du Noyer mit 7,2 Kilometern zu durchschnittlich 8,5 Prozent. Am Ende wartet der klassische Anstieg über die 21 Kehren, 13,8 Kilometer zu 8,1 Prozent.

Deutlich härter fällt die Königsetappe am Samstag aus. Von Le Bourg-d’Oisans geht es über Col de la Croix de Fer, Col du Télégraphe und Col du Galibier, mit 2.642 Metern der höchste Punkt der Tour, anschließend über den Col de Sarenne zurück nach Alpe d’Huez. Rund 5.600 Höhenmeter auf 171 Kilometern machen diesen Tag zur letzten realistischen Gelegenheit für größere Verschiebungen.

Die drei entscheidenden Tage im Überblick

19. Etappe 24. Juli Gap nach Alpe d’Huez 127,9 km
20. Etappe 25. Juli Le Bourg-d’Oisans nach Alpe d’Huez 171 km
21. Etappe 26. Juli Thoiry nach Paris, Champs-Élysées rund 130 km

Ein Faktor, der bislang wenig Beachtung findet, ist der Zustand der UAE-Mannschaft. Brandon McNulty stieg auf der 18. Etappe aus, Adam Yates kämpft mit einer Erkrankung, Felix Großschartner stürzte am vergangenen Sonntag. In der Mannschaftswertung ist der Rückstand auf Lidl Trek dadurch auf rund 22 Minuten angewachsen. Für das Gelbe Trikot ist das nur bedingt relevant, weil Pogačar wiederholt gezeigt hat, dass er ohne Bergzug zurechtkommt. Für Del Toro ist es ein handfestes Problem, weil ihm Unterstützung in seinem eigenen Duell fehlt.

Offen ist zudem die Bergwertung. Pogačar führt, Valentin Paret-Peintre liegt nach seiner Punktesammlung auf der 18. Etappe nur einen Zähler zurück, und Richard Carapaz hat sich mit seinem Etappensieg in Orcières-Merlette vor Mauro Schmid und Matteo Jorgenson ebenfalls in Position gebracht. Allein auf der 19. Etappe sind 40 Bergpunkte zu vergeben, die Hälfte davon oben auf Alpe d’Huez. Anders sieht es im Punkteklassement aus: Das Grüne Trikot von Mads Pedersen gilt trotz der Duelle mit Jasper Philipsen als weitgehend gesichert.


Warum die Schlussetappe nach Paris am Montmartre kein Schaulaufen mehr ist

Die 21. Etappe beginnt in Thoiry westlich von Paris und endet nach rund 130 Kilometern auf den Champs-Élysées. Die traditionelle Sektabfahrt zu Beginn bleibt, das Finale nicht. Wie schon 2025 führt der Kurs dreimal über die Côte de la Butte Montmartre, den 1,1 Kilometer langen Kopfsteinpflasteranstieg zu durchschnittlich 5,9 Prozent unterhalb von Sacré-Cœur.

Ein Detail unterscheidet die Auflage 2026 von der Premiere: Die letzte Bergwertung liegt rund 10,3 Kilometer vor dem Ziel und damit gut vier Kilometer weiter entfernt als im Vorjahr. Angefahren wird der Hügel diesmal vom Arc de Triomphe aus. Der Effekt ist beabsichtigt. Die Veranstalter wollen den Sprintern eine Rückkehr ins Rennen ermöglichen, nachdem 2025 Wout van Aert am Montmartre eine Attacke von Pogačar konterte und solo gewann.

Damit sind mehrere Szenarien realistisch: ein Solosieg nach einem Antritt am Anstieg, eine Entscheidung aus einer reduzierten Gruppe von Klassikerfahrern oder ein Sprint eines dezimierten Feldes. Für die Gesamtwertung dürfte der Tag in normaler Konstellation folgenlos bleiben, sofern das Wetter mitspielt. 2025 wurden die Zeiten wegen Regens neutralisiert. Nasses Kopfsteinpflaster bleibt der Unsicherheitsfaktor, der aus einem Schaulaufen binnen Sekunden eine Sturzetappe machen kann.

Warum die Tour 2026 nicht in Gelb, sondern in Weiß entschieden wird

Nach 18 Etappen ergibt sich ein klares Bild: Die Gesamtwertung ist mit 4:32 Minuten Vorsprung und zwei verbleibenden Bergetappen keine offene Frage mehr, sondern eine Frage der Absicherung. Auch Platz zwei ist mit 2:19 Minuten Puffer auf Del Toro und 2:39 Minuten auf Seixas für Evenepoel gut, wenn auch nicht vollständig, geschützt. Der sportliche Reiz dieses Wochenendes liegt in den 20 Sekunden zwischen Rang drei und Rang vier.

Für die Wettmärkte hat das eine unmittelbare Konsequenz. Der Markt auf den Gesamtsieger ist bei diesem Abstand faktisch abgeräumt und bietet praktisch keinen Spielraum mehr. Interessanter bleiben die Nebenmärkte: das Duell um Platz drei, das Weiße Trikot, die Bergwertung mit ihrem Ein-Punkt-Abstand und die Etappensiegmärkte für die beiden Bergankünfte sowie das Finale in Paris. Dort entscheidet nicht die Formstärke des Dominators, sondern die Frage, welche Mannschaft mit welchen Kräften in die entscheidenden Kilometer geht. Wer die Mechanik solcher Wertungen und Märkte nachschlagen möchte, findet die Grundlagen in unserem Wettlexikon, weitere Analysen zu aktuellen Sportereignissen im Sportwetten Magazin und tagesaktuelle Meldungen in den Sportwetten News. Die offiziellen Etappenprofile und Zeitpläne dokumentiert die Sportschau.

Bleibt die Frage, die sich Pogačar selbst gestellt hat: Auf Alpe d’Huez hat er trotz vier Gesamtsiegen noch nie gewonnen. Sportlich braucht er den Tagessieg nicht. Der Anstieg gehört jedoch zu den wenigen Lücken in seinem Palmarès, und das Zeitpolster erlaubt ihm, danach zu greifen. Genau diese Mischung aus fehlender Notwendigkeit und historischem Reiz macht das Wochenende unberechenbarer, als es die Tabelle vermuten lässt.

Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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