Drei Turniertore, ein historischer Elfmeter und ein Rekordbuch, das ihm allein gehört: Cristiano Ronaldo spielt mit 41 Jahren seine aller Voraussicht nach letzte Weltmeisterschaft. Vor dem Achtelfinal-Kracher gegen Spanien zeigt die Analyse, wie viel der älteste Torschütze der WM-Geschichte seinem Team wirklich noch gibt und was das für die Wettmärkte bedeutet.
Als Cristiano Ronaldo im Sechzehntelfinale gegen Kroatien in der 68. Minute den Ball auf den Elfmeterpunkt legte, ging es um mehr als den Ausgleich. Mit dem verwandelten Strafstoß erzielte der 41-Jährige sein erstes Tor in der K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft überhaupt und wurde mit 41 Jahren und 148 Tagen zum ältesten Torschützen eines WM-K.o.-Spiels der Geschichte. Am heutigen Montagabend wartet mit Europameister Spanien im Achtelfinale nun der bislang größte Prüfstein. Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme: Was leistet der Rekordmann bei diesem Turnier tatsächlich noch?
Ronaldos WM-Rekorde: Tore bei sechs Turnieren, elf WM-Treffer, Jagd auf Pelé
Die reine Bilanz dieser Weltmeisterschaft liest sich beeindruckend. Drei Turniertore stehen für Ronaldo zu Buche: ein Doppelpack beim 5:0 gegen Usbekistan und der Elfmeter gegen Kroatien. Mit dem Treffer gegen die Usbeken wurde er zum ersten und einzigen Spieler, der bei sechs verschiedenen WM-Endrunden getroffen hat (2006, 2010, 2014, 2018, 2022 und 2026). Zugleich stellte er mit seiner sechsten Turnierteilnahme den Rekord für die meisten WM-Endrunden ein, den er sich mit Lionel Messi und Guillermo Ochoa teilt.
Das Tor gegen Kroatien hievte ihn auf elf WM-Treffer, womit er in der ewigen WM-Torschützenliste mit Jürgen Klinsmann und Sándor Kocsis gleichzog. Nur ein Tor fehlt ihm noch zur Marke von Pelé. Dazu kommen die Bestwerte, die ohnehin niemand mehr angreift: 146 Länderspieltore in 232 Länderspielen, beides Weltrekorde, sowie 41 Treffer in WM-Qualifikationen, ebenfalls unerreicht. In seiner Gesamtkarriere steht Ronaldo inzwischen bei 976 Pflichtspieltoren. Die magische Marke von 1.000 ist damit greifbar, und jedes weitere WM-Tor schreibt an gleich mehreren Rekorden mit.
Die Zahlen hinter den Toren: Ein verändertes Spiel
Ein genauerer Blick auf die Daten zeigt allerdings, wie sehr sich Ronaldos Spiel gewandelt hat. Gegen Kroatien verzeichnete er laut Opta in 81 Spielminuten exakt eine Ballberührung im gegnerischen Strafraum, den Elfmeter. Vor diesem Treffer hatte er in WM-K.o.-Spielen 31 Schüsse ohne Torerfolg abgegeben. Der Ronaldo von 2026 ist kein Spieler mehr, der Partien im Alleingang zerlegt. Er ist ein Fixpunkt im Zentrum, erster Elfmeterschütze und der Mann für den einen entscheidenden Moment.
Bemerkenswert ist dabei seine physische Konstanz. Ronaldo stand in allen vier Turnierspielen auf dem Platz und absolvierte 351 von 360 möglichen Minuten, mehr als fast jeder andere Feldspieler im portugiesischen Kader. Trainer Roberto Martínez baut sein Offensivspiel weiter um den Kapitän herum auf, während Tempo und Tiefe von Pedro Neto, Rafael Leão und den Außenverteidigern kommen. Mit Gonçalo Ramos, der gegen Kroatien nach Ronaldos Auswechslung das Siegtor köpfte, steht zudem ein Joker bereit, der die Schlussphasen übernimmt. Die Arbeitsteilung funktioniert: Portugal steht mit 8:2 Toren im Achtelfinale.
Das fehlende Puzzlestück: Nur die WM fehlt in der Sammlung
Warum dieses Turnier für Ronaldo eine besondere Bedeutung hat, erklärt seine Titelsammlung. Mit Portugal gewann er die EM 2016 und zweimal die Nations League, zuletzt 2025 mit 40 Jahren, als er im Halbfinale gegen Deutschland und im Finale gegen Spanien traf. Bei Weltmeisterschaften blieben ein vierter Platz 2006 und das Viertelfinale 2022 seine besten Ergebnisse. Der WM-Titel ist die einzige große Trophäe, die in seiner Karriere fehlt, und 2026 ist realistisch die letzte Gelegenheit.
Dass diese WM für Portugal auch eine emotionale Dimension hat, zeigte sich nach dem Kroatien-Spiel: Am ersten Todestag von Diogo Jota streifte sich Ronaldo nach dem Abpfiff das Trikot seines verstorbenen Teamkollegen mit der Nummer 21 über. Die Mannschaft wirkt bei diesem Turnier verschworen, und ihr Kapitän ist das Zentrum dieser Erzählung.
Was Ronaldos Rolle für die Wettmärkte bedeutet
Für Torschützen-Wetten ergibt sich aus der Analyse ein klares Bild. Im Rennen um den Goldenen Schuh spielt Ronaldo mit drei Treffern keine realistische Rolle mehr, dort führen Erling Haaland, Kylian Mbappé und Messi mit jeweils sieben Toren das Feld an. Bei Wetten auf Ronaldo als Torschützen in einzelnen Spielen ist dagegen vor allem seine Rolle als erster Elfmeterschütze relevant: Zwei seiner drei Turniertore und auch das entscheidende Tor im Nations-League-Finale 2025 gegen Spanien fielen vom Punkt beziehungsweise im Elfmeterschießen. Wer auf Ronaldo als Torschützen setzt, wettet in erster Linie darauf, dass Portugal zu einem Strafstoß oder einer einzelnen Großchance für den Kapitän kommt, nicht auf ein Dauerfeuer im gegnerischen Strafraum.
Gegen Spanien, das bei diesem Turnier in vier Spielen noch kein Gegentor kassiert hat, sind solche Momente naturgemäß rar. Genau das macht die Quoten auf einen Ronaldo-Treffer aber auch attraktiv für alle, die an das Drehbuch des alten Mannes glauben, der bei dieser WM noch jede große Bühne genutzt hat. Unsere komplette Analyse zum Achtelfinale mit Prognose und Tipps gibt es in den aktuellen Wett-Tipps, die zugrunde liegende Herangehensweise erklärt unsere Wett-Analyse-Methodik.
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