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Martínez-Aus nach dem WM-K.o.: Portugal sucht einen neuen Nationaltrainer

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 07.07.26
geprüft von Sebastian Vierheim | 3 Min. Lesezeit

Wenige Minuten nach dem bitteren 0:1 gegen Spanien bestätigte Roberto Martínez seinen Abschied als portugiesischer Nationaltrainer. Der Rücktritt kommt mit Ansage, denn der auslaufende Vertrag des Spaniers war schon vor dem Turnier zum Thema geworden. Als Favorit auf die Nachfolge gilt ausgerechnet ein alter Bekannter von Cristiano Ronaldo.

Das Achtelfinal-Aus gegen Spanien beendet in Portugal nicht nur einen Titeltraum, sondern gleich eine ganze Ära. Nationaltrainer Roberto Martínez erklärte unmittelbar nach der Partie in Dallas, dass es sein letztes Spiel an der Seitenlinie der Seleção war, und mit Cristiano Ronaldo verabschiedete sich zeitgleich die prägende Figur der letzten zwei Jahrzehnte von der WM-Bühne. Der portugiesische Verband steht damit vor dem größten Umbruch seit Jahren, scheint darauf aber vorbereitet zu sein.


Martínez-Rücktritt: Ein Abschied mit Ansage

Überraschend kam der Abgang nur auf den ersten Blick. Bereits kurz vor dem WM-Auftakt gegen die DR Kongo hatte Martínez bestätigt, dass sein Vertrag mit dem Turnier ausläuft und nicht verlängert wird. Nach dem Ausscheiden machte der 52-Jährige den Schlussstrich dann offiziell und begründete ihn mit dem verfehlten Maximalziel. „Ich bin nach Portugal gekommen, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen“, sagte Martínez und ergänzte, dass ein Weitermachen ohne diesen Titel keinen Sinn ergebe. Er sprach vom Ende eines Zyklus und davon, dass die Mannschaft nun eine neue Stimme brauche.

Bemerkenswert an dem Abschied: Er erfolgt trotz eines Erfolgs, den vor Martínez lange niemand geschafft hatte. Erst im Sommer 2025 hatte der Spanier Portugal zum Nations-League-Titel geführt, im Finale von München gegen ausgerechnet jenes Spanien, das der Seleção nun das WM-Aus zufügte.


Die Martínez-Bilanz: Ein Titel, ein moderierter Umbruch, aber kein großer Wurf

Martínez hatte das Amt Anfang 2023 als Nachfolger von Fernando Santos übernommen, nachdem er zuvor mehr als sechs Jahre die belgische Nationalmannschaft trainiert und mit ihr bei der WM 2018 Platz drei erreicht hatte. In 45 Spielen mit Portugal gelang ihm ein bemerkenswerter Spagat: Er moderierte den Generationswechsel um die Champions-League-Sieger Vitinha, João Neves und Nuno Mendes, ohne den weiterhin omnipräsenten Ronaldo zu demontieren, und formte aus der Mannschaft einen ernstzunehmenden Titelkandidaten.

Bei den großen Turnieren blieb die letzte Bestätigung allerdings aus. Bei der EM 2024 scheiterte Portugal im Viertelfinale im Elfmeterschießen an Frankreich, bei der WM 2026 folgte nun das Aus eine Runde früher, besiegelt durch Mikel Merinos Treffer in der Nachspielzeit. Dass die Mannschaft gegen den Turnierdominator Spanien über 90 Minuten auf Augenhöhe agierte, ändert nichts am nüchternen Befund: Der ganz große Wurf gelang in dreieinhalb Jahren nicht.


Jorge Jesus als Topkandidat: Der Ronaldo-Vertraute steht offenbar bereit

Der Verband wirkt auf den Abschied vorbereitet. Übereinstimmenden portugiesischen Medienberichten zufolge, allen voran der Sportzeitung A Bola, ist Jorge Jesus als Nachfolger auserkoren. Ein Treffen zwischen Verbandspräsident Pedro Proença und dem 71-Jährigen soll bereits nach der Rückkehr der Delegation geplant sein. Offiziell bestätigt ist die Personalie noch nicht.

Jesus wäre eine Verpflichtung mit klarer Logik. Der erfahrene Portugiese ist seit seinem Abschied von Al-Nassr in diesem Sommer vereinslos und kennt aus Riad ausgerechnet Cristiano Ronaldo bestens, den er dort zu dessen erstem Titel in Saudi-Arabien führte. Trotz seiner langen Karriere wäre es sein erstes Amt als Nationaltrainer. Der Auftrag laut den Berichten: die EM 2028 und vor allem die WM 2030, bei der Portugal als Co-Gastgeber antritt und die Heim-Weltmeisterschaft zum Großprojekt einer neuen Ära werden soll.


Die Baustellen des Nachfolgers: Ronaldo-Frage und goldene Generation

Die größte offene Personalie bleibt der Kapitän selbst. Ronaldo bestätigte nach dem Spanien-Spiel zwar, dass die WM 2026 seine letzte war, ließ seine Zukunft im Nationalteam insgesamt aber ausdrücklich offen. Er wolle sich Zeit zum Nachdenken nehmen und keine überstürzten Entscheidungen treffen. Ob der Rekordspieler (233 Länderspiele, 146 Tore) die EM-Qualifikation noch mitnimmt oder Platz für den endgültigen Neuaufbau macht, dürfte die erste Weichenstellung des neuen Trainers werden.

Sportlich übernimmt der Nachfolger dabei ein Erbe, um das ihn viele Kollegen beneiden würden: eine der talentiertesten Kadergenerationen Europas im besten Alter, die auch ohne Ronaldo zum engsten Favoritenkreis kommender Turniere zählen dürfte. Auf den langfristigen Wettmärkten für die EM 2028 und die Heim-WM 2030 wird Portugal entsprechend weiter weit oben notieren, und schon für die laufenden WM-Viertelfinals liefern unsere aktuellen Wett-Tipps die Einschätzungen der Redaktion. Wie diese Bewertungen entstehen, erklärt unsere Wett-Analyse-Methodik.

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Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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