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Spaniens Fluch ist gebrochen: Erstmals seit 2010 wieder in einem WM-Viertelfinale

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 07.07.26 (aktualisiert: 07.07.26)
geprüft von Sebastian Vierheim | 4 Min. Lesezeit

16 Jahre, drei Turniere, dreimal frühes Aus: Seit dem Titelgewinn 2010 war für Spanien bei jeder Weltmeisterschaft spätestens im Achtelfinale Schluss. Mit dem 1:0 gegen Portugal hat der Europameister den Bann gebrochen, dank eines Jokertors in der Nachspielzeit und der besten Defensive, die dieses Turnier je gesehen hat.

Als Mikel Merino in der ersten Minute der Nachspielzeit frei vor Diogo Costa auftauchte und cool einschob, fiel in Dallas mehr als nur ein Siegtor. Es fiel eine Last ab, die den spanischen Fußball seit anderthalb Jahrzehnten begleitet hat. Der Weltmeister von 2010 steht erstmals seit jenem Triumph wieder in einem WM-Viertelfinale, und die Art und Weise, wie diese Mannschaft dorthin gekommen ist, macht sie endgültig zum Titelanwärter: fünf Spiele, fünf Mal ohne Gegentor, 9:0 Tore.


Spaniens WM-Fluch: 16 Jahre zwischen Titel und Trauma

Die Vorgeschichte erklärt, warum dieser Abend in Spanien so groß gefeiert wird. Auf den WM-Titel von Südafrika 2010 folgte eine beispiellose Durststrecke bei Weltmeisterschaften: 2014 schied die Furia Roja als Titelverteidiger bereits in der Vorrunde aus, 2018 folgte das Achtelfinal-Aus im Elfmeterschießen gegen Gastgeber Russland, 2022 traf es Spanien erneut vom Punkt, diesmal gegen Marokko. Drei Turniere, kein einziger Viertelfinaleinzug, zweimal das Trauma Elfmeterschießen.

Dabei hatte die Generation um Rodri, Pedri und Lamine Yamal längst bewiesen, dass sie zur Weltspitze gehört: 2024 gewann Spanien die Europameisterschaft, 2025 erreichte das Team von Luis de la Fuente das Finale der Nations League, das erst im Elfmeterschießen gegen Portugal verloren ging. Nur die große WM-Bühne fehlte dieser Mannschaft noch. Kurios am Rande: Auch auf dem Weg zum Titel 2010 hieß der Achtelfinalgegner Portugal, auch damals lautete das Ergebnis 1:0. Die Parallele ist in Spanien niemandem entgangen.


Merinos Lucky Punch: Wie Spanien den Bann in Dallas brach

Das Achtelfinale selbst war ein zähes Stück Arbeit gegen einen Gegner, der sechs der letzten acht Direktduelle nach regulärer Spielzeit remis gestaltet hatte. Vor 70.649 Zuschauern vergab Mikel Oyarzabal schon in der achten Minute freistehend die Führung, auf der Gegenseite scheiterte Nuno Mendes kurz vor der Pause mit einem Gewaltschuss an der Latte. Nach dem Wechsel flachte die Partie ab, Portugal stand tief, und alles deutete auf eine Verlängerung hin, in der auch das Elfmeter-Gespenst wieder gelauert hätte.

Dann kam der Auftritt der Joker. De la Fuente brachte in der 85. Minute Fabián Ruiz und Mikel Merino, sechs Minuten später kombinierte sich Spanien erstmals sauber durch das Zentrum: Ferran Torres steckte mit perfektem Timing durch, und Merino vollendete zum 1:0. Man of the Match Rodri brachte es anschließend nüchtern auf den Punkt: Spanien habe genau gewusst, dass Portugal tief stehen würde, habe seine Chancen gehabt und mit dem späten Treffer den Unterschied gemacht. Für Portugal endete damit zugleich eine Ära, denn Cristiano Ronaldo hatte die WM 2026 vorab zu seiner letzten erklärt. Sein 27. WM-Spiel war sein letztes.


Die Rekord-Defensive: Neun Stunden ohne Gegentor

Das Fundament des spanischen Laufs ist historisch. Torhüter Unai Simón hat bei dieser WM noch keinen einzigen Gegentreffer kassiert und steht inzwischen bei mehr als neun WM-Stunden ohne Gegentor, ein Rekordwert. Rechnet man das torlose Achtelfinale von 2022 gegen Marokko hinzu, hat Spanien sogar in sechs WM-Spielen in Serie die Null gehalten. Nach regulärer Spielzeit ist die Furia Roja mittlerweile seit 35 Länderspielen ungeschlagen.

Bemerkenswert ist, wie diese Dominanz zustande kommt: nicht durch destruktives Verteidigen, sondern durch erdrückende Ballkontrolle um den Sechser Rodri, die abgezockte Innenverteidigung um Aymeric Laporte und den erst 19-jährigen Pau Cubarsí sowie einen Angriff, der sich die Last teilt. Oyarzabal führt die teaminterne Torschützenliste mit vier Treffern an, dahinter verteilen sich die Tore auf viele Schultern, und mit Merino hat sich nun auch noch ein Joker in die Geschichtsbücher eingetragen. Einzig die phasenweise mangelnde Kaltschnäuzigkeit bleibt ein Thema, denn trotz aller Dominanz fallen Spaniens Tore in der K.o.-Phase bislang spät.


Belgien wartet: Warum jetzt sogar der zweite Stern drin ist

Weiter geht es am Freitag, den 10. Juli, um 21:00 Uhr deutscher Zeit in Los Angeles gegen Belgien, das die USA mit 4:1 aus dem Turnier warf. Auch dieses Duell hat eine historische Pointe: Das bislang einzige WM-Viertelfinale zwischen beiden Nationen gewann Belgien 1986, ausgerechnet im Elfmeterschießen. Für die Buchmacher gehört Spanien nach dem Brasilien-Aus und dem Ausscheiden der Gastgeber gemeinsam mit Frankreich zum engsten Favoritenkreis auf den Titel, und die Kombination aus Rekord-Defensive und breitem Kader liefert dafür gute Argumente. Die Zahlen sprechen ebenfalls für La Roja: Fünf der letzten sechs WM-K.o.-Spiele gegen europäische Gegner hat Spanien gewonnen.

Der Fluch ist gebrochen, das Elfmeter-Trauma allerdings noch nicht getilgt. Sollte es am Freitag oder danach in eine Entscheidung vom Punkt gehen, wartet der letzte Härtetest für diese Generation. Unsere ausführliche Prognose zum Viertelfinale gegen Belgien erscheint rechtzeitig vor dem Anpfiff in den aktuellen Wett-Tipps, die Herangehensweise dahinter erklärt unsere Wett-Analyse-Methodik.

Glücksspiel kann süchtig machen. Sportwetten sind erst ab 18 Jahren erlaubt; eingesetzt werden sollte nur Geld, dessen Verlust verkraftbar ist. Genannte Einschätzungen sind keine Gewinngarantie. Hilfe und Informationen zum verantwortungsvollen Spielen: Spielerschutz.
Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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