Portugals 0:1-Niederlage gegen Spanien im WM-Achtelfinale von Dallas bedeutet das Ende einer Ära: Cristiano Ronaldo verlässt die WM-Bühne nach 27 Spielen, 11 Toren und sechs Endrunden als Rekordspieler, aber ohne den einen Pokal, den er immer gewinnen wollte.
Als der Nachspielzeit-Treffer von Mikel Merino am Montagabend im Dallas Stadion einschlug, war Cristiano Ronaldos größter Traum endgültig geplatzt. Der 41-Jährige brach nach dem Abpfiff in Tränen aus, schaute sich ein letztes Mal im Stadion um und verschwand mit hängendem Kopf in die Katakomben. Der 18-jährige Spanier Lamine Yamal, 23 Jahre jünger als Ronaldo, tröstete den portugiesischen Kapitän auf dem Rasen. Es war ein Bild, das den Generationswechsel im Weltfußball auf eine einzige Geste verdichtete.
Nach dem Spiel bestätigte Ronaldo das Offensichtliche: Es war seine letzte Weltmeisterschaft. Die Frage, ob er auch aus der Nationalmannschaft zurücktritt, ließ er offen. Er wolle keine Entscheidungen aus der Laune heraus treffen und sich Zeit nehmen, sagte er. Portugals Nationaltrainer Roberto Martinez trat unmittelbar nach dem Ausscheiden von seinem Posten zurück. Die Ära Martinez-Ronaldo, die zwischen Loyalität und Leistungsdebatte pendelte, ist damit beendet.
27 Spiele, 11 Tore, sechs Endrunden: Ronaldos WM-Bilanz in Zahlen
Die Statistik, die Ronaldo bei dieser WM aufstellte, passt zu seiner gesamten Karriere: beeindruckend im Detail, unvollständig im großen Ganzen. Mit seiner sechsten WM-Teilnahme stellte er den Rekord ein, den er sich nun mit Lionel Messi und Mexikos Torhüter Guillermo Ochoa teilt. Kein anderer Feldspieler hat so oft bei einer Endrunde auf dem Platz gestanden.
Der Doppelpack gegen Usbekistan in der Gruppenphase machte Ronaldo zum einzigen Spieler der Geschichte, der bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat: 2006, 2010, 2014, 2018, 2022 und 2026. Sein Elfmetertor gegen Kroatien im Sechzehntelfinale war zugleich sein erstes K.o.-Phasen-Tor bei einer WM überhaupt und machte ihn mit 41 Jahren und 148 Tagen zum ältesten Torschützen eines WM-K.o.-Spiels.
11 WM-Tore in 27 Spielen über 20 Jahre hinweg: Das sind Zahlen, die jeden anderen Spieler in die Geschichtsbücher schreiben würden. Im Fall von Ronaldo wirken sie fast bescheiden. 233 Länderspiele und 146 Länderspieltore stehen in seiner Gesamtbilanz, beides Weltrekorde. 41 Treffer in WM-Qualifikationsspielen hat ebenfalls kein anderer Spieler je erzielt. Doch auf der größten Bühne des Weltfußballs blieb der vierte Platz von 2006 in Deutschland sein bestes Ergebnis. Bei den fünf folgenden Turnieren kam Portugal mit Ronaldo nie über das Achtelfinale hinaus.
Zwischen EM-Held und WM-Schatten: Wie Ronaldo den eigenen Mythos formte
Die Erzählung seiner Nationalmannschaftskarriere hat zwei Seiten, und Ronaldo selbst betonte nach dem Ausscheiden vor allem die glänzende. Er habe drei Titel für Portugal gewonnen, sagte er in dritter Person über sich. Vor ihm habe das Land keinen einzigen großen Titel geholt. Das stimmt: Der Europameisterschaftstitel 2016 in Frankreich, bei dem Ronaldo im Finale verletzt ausschied und von der Seitenlinie aus coachte, bleibt ein Meilenstein der portugiesischen Fußballgeschichte. Dazu kommen zwei Nations-League-Titel, 2019 und 2025, wobei er beim jüngsten Triumph noch mit 40 Jahren im Halbfinale gegen Deutschland und im Finale gegen Spanien traf.
Auf der WM-Bühne fehlte dieses Glanzstück. 2006 spielte der damals 21-jährige Ronaldo das wohl stärkste Turnier seiner Karriere, doch Portugal scheiterte im Halbfinale an Frankreich. 2018 gegen Spanien erzielte er drei Tore in einem einzigen Gruppenspiel, darunter einen Freistoß in der 88. Minute, der zum ikonischsten Moment seiner WM-Geschichte wurde. Doch auch damals war im Achtelfinale Schluss, gegen Uruguay mit 1:2. 2022 in Katar verlor Ronaldo seinen Stammplatz und erlebte das Viertelfinale-Aus gegen Marokko größtenteils von der Bank. 2026 lief er bei seiner sechsten WM zwar in allen Spielen auf, blieb im entscheidenden Achtelfinale gegen Spanien aber bei lediglich 18 Ballkontakten nahezu wirkungslos.
Portugals Neuanfang beginnt nach dem Abschied des Kapitäns

ZDF-Experte Christoph Kramer fand nach dem Achtelfinale versöhnlichere Worte. Es sei Wahnsinn, was Ronaldo für den Sport geleistet habe und immer noch leiste. Es tue ihm leid für den Spieler. Die portugiesische Sportzeitung A Bola verabschiedete sich mit einer Schlagzeile, die zwischen Hommage und Trauer lag.
Sportlich öffnet Ronaldos Abgang die Tür für einen Umbruch, den viele portugiesische Beobachter seit Jahren fordern. Die Generation um Vitinha, Nuno Mendes und João Neves, allesamt bei Paris Saint-Germain unter Vertrag, bildet ein Mittelfeld mit technischer Qualität und physischer Präsenz, das bei dieser WM teilweise gebremst wirkte. Die K.o.-Phase dieser WM hat gezeigt, dass taktische Geschlossenheit in diesem Format wichtiger ist als individuelle Aura. Ein neuer Trainer und ein Kader ohne Rücksichtnahme auf den alternden Superstar könnten Portugal bei der WM 2030 als ernsthafteren Titelkandidaten zurückbringen.
Ronaldo selbst fasste seinen Abschied in einem Satz zusammen, der trotz aller Emotionalität die Nüchternheit eines Profis verriet: Manchmal gewinne man, manchmal verliere man, und man müsse weitermachen. Der WM-Titel, der einzige große Pokal, der in seiner Karriere fehlt, wird nicht mehr dazukommen. Was bleibt, ist eine Zahlenliste, die vermutlich Jahrzehnte Bestand haben wird: 146 Länderspieltore, sechs WM-Endrunden, Tore bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften. Und die Gewissheit, dass eine der prägendsten Fußballkarrieren der Geschichte ohne ihren letzten fehlenden Titel zu Ende geht.






















