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Felix Sturm gegen Granit Stein: Abschiedskampf-Analyse

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 10.07.26 (aktualisiert: 10.07.26)
geprüft von Sebastian Vierheim | 5 Min. Lesezeit

Deutschlands Box-Ikone Felix Sturm beendet am Samstag in Stuttgart ihre Karriere, doch die Wahl des 14 Jahre jüngeren Druckmachers Granit Stein macht aus dem „One Last Dance“ ein echtes Risiko: Die entscheidende Frage ist, ob Sturms überlegene Technik im Halbschwergewicht die körperlichen Nachteile seines Alters gegen einen unermüdlichen Pressure-Fighter aufwiegt.

Am Samstag, den 11. Juli 2026, steigt in der Stuttgarter Porsche Arena der letzte Kampf einer der prägendsten Figuren des deutschen Boxsports. Felix Sturm, mit 47 Jahren fünffacher Ex-Weltmeister im Mittel- und Supermittelgewicht, will sich mit einem Sieg in den Ruhestand verabschieden. Sein Gegner ist der Ingolstädter Granit Stein, ein hungriger Herausforderer mit einer Profibilanz von 20 Siegen, zwei Niederlagen und einem Unentschieden. Gekämpft wird im Halbschwergewicht bis 79,3 Kilogramm, angesetzt ist der Kampf über zehn Runden. Übertragen wird der Abend im kostenpflichtigen Stream bei BILD+; die Vorkämpfe beginnen nach Veranstalterangaben am späten Nachmittag, der Hauptkampf ist für den späten Abend geplant. Diese Analyse ordnet ein, warum ein vermeintliches Abschiedsgeschenk in Wahrheit eine ernste Prüfung werden kann. Wer sich generell mit den Besonderheiten von Wetten auf den Kampfsport beschäftigt, findet hier eine der klassischen Konstellationen wieder: Routine gegen Jugend, Technik gegen Druck.


Felix Sturm gegen Granit Stein: Die wichtigsten Fakten zum Abschiedskampf

Merkmal Angabe
Kampf Felix Sturm gegen Granit Stein
Datum Samstag, 11. Juli 2026
Ort Porsche Arena, Stuttgart
Gewichtsklasse Halbschwergewicht (bis 79,3 kg)
Distanz angesetzt über zehn Runden
Übertragung BILD+ (kostenpflichtiger Stream)
Bilanz Sturm 45 Siege, 6 Niederlagen, 3 Unentschieden
Bilanz Stein 20 Siege, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden

Warum Sturm seinen Abschied bewusst in der Porsche Arena inszeniert

Die Wahl des Austragungsorts ist kein Zufall, sondern Teil der Inszenierung. Die Porsche Arena bezeichnet Sturm selbst als sein zweites Wohnzimmer, und der Grund dafür liegt gut ein Jahrzehnt zurück. Im Dezember 2013 sicherte sich der damalige Mittelgewichtler an gleicher Stelle durch einen K.-o.-Sieg über den britischen Weltmeister Darren Barker den IBF-Gürtel. Es war einer seiner insgesamt fünf WM-Titel und der einzige, den er in Stuttgart gewann. Diese emotionale Verbindung erklärt, warum der Rahmen für den Abschied genau hier gesetzt wurde.

Passend dazu hat Sturm seinem letzten Auftritt das Motto „One Last Dance“ gegeben, eine Anspielung, die an die Abschiedserzählungen der ganz großen Sportler erinnert. In 26 Jahren als Profi hat er eine Bilanz von 45 Siegen bei sechs Niederlagen und drei Unentschieden aufgebaut und dabei mehrere Weltmeisterschaftskämpfe bestritten. Der sportliche Ehrgeiz ist ungebrochen, und an markigen Ansagen mangelt es dem Altmeister ohnehin nie. Über seinen Gegner sagte er zuletzt spöttisch, man müsse nur lange genug auf einen Stein einschlagen, dann breche er.


Warum Granit Stein für einen Abschiedskampf ungewöhnlich gefährlich ist

Wer erwartet hatte, dass sich die Legende einen handzahmen Aufbaugegner für den letzten Abend aussucht, wird von der Gegnerwahl überrascht. Granit Stein ist ein brachialer Actionfighter, körperlich stark und darauf ausgelegt, permanent Druck zu erzeugen. Zwar hat der etwa 14 Jahre jüngere Herausforderer bislang noch gegen keinen wirklich namhaften Gegner geboxt, doch genau seine Rolle als unterschätzter Aufsteiger macht ihn unangenehm. Stein reist mit dem klaren Ziel an, die größte Überraschung seiner Laufbahn zu schaffen, und hat für dieses Duell sogar sein gesamtes Team umgestellt, inklusive Trainerwechsel und neuem Trainingsstandort im Schwarzwald.

Seinem Kampfnamen verleiht Stein dabei bewusst Symbolkraft und wiederholt gerne den Satz, ein Sturm könne einem Stein nichts anhaben. Hinter der Rhetorik steht ein realer sportlicher Ansatz. Ein kleines Fragezeichen bleibt allerdings: Stein lieferte sich erst rund eine Woche vor dem Stuttgarter Duell eine zehnrundige Ringschlacht in Ingolstadt. Diese hohe Wettkampfhärte kann ihn kampfscharf machen, könnte in einem harten Fight über die volle Distanz aber auch als fehlende Frische zum Faktor werden. Wie sich solche Belastungen im Vorfeld bewerten lassen, ist auch beim Blick auf die Quotenlandschaft relevant, die der Quotenvergleich bündelt.


Der eigentliche Knackpunkt: Sturms Technik gegen Steins Dauerdruck

Sportlich läuft dieser Kampf auf eine klassische Stilfrage hinaus. Sturm gilt als der boxerisch deutlich versiertere Mann, verfügt über feine Distanzarbeit und die nötige Schlaghärte, um einen Kampf vorzeitig zu beenden. Sein Problem ist nicht die Technik, sondern das Alter. Mit 47 Jahren sind die Beine und die Arbeitsrate über zehn Runden die entscheidende Unbekannte, und in seinen jüngsten Auftritten agierte Sturm bewusst kontrollierter, um Kräfte einzuteilen. Zuletzt setzte er sich souverän gegen Benjamin Blindert durch.

Genau hier setzt Steins Matchplan an. Ein Pressure-Fighter lebt davon, den technisch überlegenen Gegner nicht zur Ruhe kommen zu lassen, ihn an die Seile zu drängen und in einen kräftezehrenden Schlagabtausch zu zwingen. Gelingt Stein dieser Dauerdruck, verschieben sich die Vorteile mit fortschreitender Rundenzahl zu seinen Gunsten, weil Ermüdung die feine Technik zuerst angreift. Kann Sturm den Kampf hingegen auf Distanz halten, seine Schläge sauber setzen und das Tempo diktieren, spielt er seine Klasse aus. Der Wechsel ins Halbschwergewicht, oberhalb seiner früheren Titelgewichte, verschärft diese Frage zusätzlich, weil er es mit einem natürlich kräftigeren Gegnertyp zu tun bekommt. Begriffe rund um die verschiedenen Ausgänge eines Kampfes erklärt das Wettlexikon.


Was klar für einen Sieg der Box-Legende spricht

Die Gegenperspektive fällt gewichtig aus, denn Sturm bringt Argumente mit, die den Klassenunterschied betonen. Auf Grand-Slam-Niveau des Boxens, also in echten Weltmeisterschaftskämpfen, hat er über Jahre bestanden, während Stein diesen Sprung auf die ganz große Bühne erst noch nachweisen muss. Sturms Erfahrung in den kritischen Momenten eines Kampfes, seine Ringintelligenz und seine Schlaghärte können einem unerfahreneren Gegner schnell die Grenzen aufzeigen. Hinzu kommt die bereits erwähnte hohe Belastung Steins aus dem jüngsten Kampf, die im Verlauf des Abends zum Nachteil werden kann.

Auch die Rahmenbedingungen sprechen für den Altmeister. Er kämpft an einem Ort, an dem er sich zu Hause fühlt, vor einem Publikum, das ihn feiern will, und mit der Motivation, seine Karriere nicht mit einer Niederlage zu beenden. Das Selbstvertrauen, das Sturm ausstrahlt, ist mehr als Fassade, sondern speist sich aus einer Laufbahn, die für zwei Boxerkarrieren gereicht hätte. Wer die Klasse über die Tagesform stellt, kommt zu einem klaren Favoriten in der Person der Legende.

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Warum der Abschied offener ist, als es ein letzter Kampf sein sollte

Aus der Analyse ergibt sich ein differenziertes Bild. Sturm ist boxerisch eine Stufe höher anzusiedeln und geht mit gutem Grund als Favorit in seinen letzten Auftritt. Doch die Kombination aus fortgeschrittenem Alter, dem Wechsel in eine höhere Gewichtsklasse und einem jungen, druckvollen Gegner macht diesen Abschied deutlich offener, als es ein reines Abschiedsgeschenk nahelegen würde. Beobachter sehen den Kampf denn auch nicht als Selbstläufer, sondern als echte Prüfung.

Entscheidend dürften die frühen Runden werden. Setzt Stein von Beginn an seinen Druck durch und zieht Sturm in einen offenen Schlagabtausch, wächst mit jeder Runde das Risiko für die Legende. Behält Sturm dagegen die Ruhe, hält den Kampf auf Distanz und nutzt seine Schlaghärte in den entscheidenden Augenblicken, spricht viel für ein Ende nach Drehbuch. So oder so wird der 11. Juli in Stuttgart mehr als eine Abschiedsparty, nämlich ein Kampf, dessen Ausgang keineswegs feststeht.


Häufige Fragen zum Abschiedskampf von Felix Sturm

Wann und wo findet Sturm gegen Stein statt?

Der Abschiedskampf steigt am Samstag, den 11. Juli 2026, in der Porsche Arena in Stuttgart. Nach Veranstalterangaben beginnt der Boxabend mit den Vorkämpfen am späten Nachmittag, der Hauptkampf ist für den späten Abend angesetzt.

Wer überträgt den Kampf live?

Der Abschiedskampf von Felix Sturm gegen Granit Stein wird im kostenpflichtigen Stream bei BILD+ gezeigt. Bei DAZN ist der Kampf nicht zu sehen.

In welcher Gewichtsklasse wird geboxt?

Gekämpft wird im Halbschwergewicht bis 79,3 Kilogramm. Das liegt oberhalb der Gewichtsklassen, in denen Sturm seine fünf WM-Titel gewann, nämlich Mittel- und Supermittelgewicht.

Wer ist Favorit?

Sturm gilt als der boxerisch überlegene Mann und geht als Favorit in seinen letzten Kampf. Der 14 Jahre jüngere Granit Stein ist als druckvoller Actionfighter jedoch ein ernstzunehmender Herausforderer, weshalb Beobachter den Ausgang als offener einschätzen, als es bei einem Abschiedskampf zu erwarten wäre.

Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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