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Deutsche Wimbledon-Bilanz 2026: Warum die zweite Woche fast nur für Zverev realistisch ist

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 01.07.26
geprüft von Sebastian Vierheim | 5 Min. Lesezeit

Nach der ersten Runde in Wimbledon zeichnet sich für die deutschen Herren ein klares Bild ab: Alexander Zverev ist der einzige echte Kandidat für die zweite Woche, während Jan-Lennard Struff, Yannick Hanfmann und Daniel Altmaier auf deutlich schwierigere Wege blicken. Stand dieser Einordnung ist Mittwoch, der 1. Juli 2026.

Das älteste Grand-Slam-Turnier der Welt hat seine erste Runde weitgehend abgeschlossen, und aus deutscher Sicht fällt die Zwischenbilanz zweigeteilt aus. Mit Zverev und Hanfmann stehen zwei Herren in der zweiten Runde, Struff greift am Mittwoch nach dem Drittrundeneinzug, und Altmaier muss sein unterbrochenes Auftaktmatch überhaupt erst zu Ende bringen. Die eigentlich spannende Frage lautet jedoch nicht, wer die zweite Runde übersteht, sondern wer realistisch die zweite Turnierwoche und damit das Achtelfinale erreichen kann. Wer den Gesamtrahmen des Turniers sucht, findet ihn in unserer großen Wimbledon-2026-Analyse. Der folgende Überblick ordnet die Chancen der vier deutschen Herren nüchtern ein.


Zverev ist der einzige realistische Kandidat für das Achtelfinale

Alexander Zverev geht als an Nummer zwei gesetzter French-Open-Champion in dieses Wimbledon und ist damit in einer anderen Kategorie unterwegs als seine Landsleute. Sein erster Grand-Slam-Titel aus Paris hat den Druck der Vorjahre genommen, und der Auftakt gegen den belgischen Aufsteiger Alexander Blockx zeigte, dass er auch in engen Phasen standhält: Beim 6:4, 6:7, 7:6, 7:6 musste Zverev über weite Strecken sein bestes Tennis abrufen, brachte die entscheidenden Tiebreaks aber nach Hause. In der zweiten Runde wartet am Donnerstag der französische Außenseiter Valentin Royer, die Nummer 75 der Welt, für den bereits das Erreichen dieser Runde ein Erfolg ist.

Der Haken liegt in der Geschichte. Ausgerechnet auf Rasen tat sich Zverev bei den Majors stets am schwersten. Dreimal stand er in Wimbledon im Achtelfinale, zuletzt 2024, darüber hinaus kam er nie. Im Vorjahr war sogar schon in der ersten Runde Schluss. Für Zverev ist die zweite Woche deshalb weniger ein Ziel als eine Erwartung, und die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst dort, wo seine Wimbledon-Bilanz bislang endete.


Struff bringt das Rasenspiel mit, aber das Tableau wird schnell schwer

Von den drei namentlich genannten Herren hat Jan-Lennard Struff das Profil, das dem Belag am ehesten entgegenkommt. Der 36-jährige Warsteiner zählt mit seinem druckvollen Aufschlag und der aggressiven Grundlinie zu den unangenehmsten deutschen Rasenspielern und schaffte es in seiner Laufbahn bereits bis in die Top 20 der Welt. Aktuell notiert er allerdings nur noch rund um Platz 83, und der Auftakt geriet zur Zitterpartie: Gegen den argentinischen Sandplatzspezialisten Sebastian Báez gewann Struff nach 2:0-Satzführung erst im fünften Satz mit 6:1, 7:6 (4), 4:6, 2:6, 7:5.

Am Mittwoch geht es für Struff gegen den US-Amerikaner Brandon Nakashima um den Einzug in die dritte Runde. Nakashima ist ein solider, konstanter Rasenspieler, gegen den Struff seinen Aufschlag als schärfste Waffe braucht. Selbst bei einem Erfolg würde das Tableau danach anspruchsvoller. Struff bleibt damit die plausibelste deutsche Überraschungsoption für einen tiefen Lauf, mehr als eine Außenseiterrolle ist daraus aber realistisch nicht abzuleiten.


Hanfmann trifft in Runde zwei auf einen Rasen-Spezialisten aus den Top 20

Yannick Hanfmann hat mit dem erstmaligen Einzug in die zweite Runde in Wimbledon bereits sein persönliches Highlight erreicht. In drei vorherigen Teilnahmen hatte der 34-jährige Karlsruher nie ein Hauptfeldmatch am heiligen Rasen gewonnen, ehe ihm der Sieg gegen den französischen Aufschlagriesen Giovanni Mpetshi Perricard mit 6:7 (6:8), 7:6 (11:9), 6:2, 6:3 nach 2:41 Stunden gelang.

Die Belohnung ist allerdings eine der undankbarsten Aufgaben im Tableau. Am Donnerstag steht mit Karen Khachanov ein an Nummer 19 gesetzter Spieler gegenüber, für den Rasen statistisch der beste Belag ist und der in Wimbledon bereits zweimal im Viertelfinale stand. Hanfmann ist damit klarer Außenseiter, und der Weg in die zweite Woche würde nicht nur diesen Sieg, sondern gleich mehrere Erfolge gegen deutlich höher eingeschätzte Gegner erfordern. Als in Form geratener Spätzünder ist ihm eine Überraschung zuzutrauen, die Wahrscheinlichkeit spricht jedoch klar dagegen.


Altmaier muss erst sein Erstrundenmatch überstehen

Am schwierigsten ist die Lage bei Daniel Altmaier, der noch nicht einmal in der zweiten Runde angekommen ist. Sein Auftaktmatch gegen den Slowaken Alex Molcan wurde am Dienstag wegen Dunkelheit beim Stand von 4:6, 6:3, 5:7 aus deutscher Sicht unterbrochen. Der 27-jährige Kempener liegt damit mit 1:2 Sätzen zurück und muss bei der Fortsetzung am Mittwoch die beiden verbleibenden Sätze gewinnen, um das Turnier fortzusetzen.

Dabei ist Altmaier auf Rasen zuletzt gar nicht so schlecht unterwegs gewesen: In Halle erreichte er 2026 das erste 500er-Halbfinale seiner Karriere. Grundsätzlich fühlt sich der Spieler mit der seltenen einhändigen Rückhand aber auf Sand am wohlsten, wo seine größten Erfolge liegen, darunter zwei Achtelfinals bei den French Open. Sollte ihm die Aufholjagd gegen Molcan gelingen, bliebe der Weg zur zweiten Woche extrem lang. Zunächst geht es schlicht ums Weiterkommen.


Was die Prognose kippen könnte: Rasen bleibt der Belag der Überraschungen

Gegen diese nüchterne Einordnung spricht die Natur des Belags. Auf dem schnellen Londoner Rasen entscheiden häufig einzelne Aufschlagspiele und Tiebreaks, was Spielern mit großem Service überproportionale Chancen gibt, selbst wenn ihre Weltranglistenposition bescheiden ausfällt. Genau in dieses Muster passen Struff und Hanfmann. Dass in der ersten Runde bereits gesetzte Spieler wie Ben Shelton überraschend ausschieden, zeigt zudem, wie schnell sich ein Tableau öffnen kann. Ein tiefer Lauf eines deutschen Außenseiters ist also nicht ausgeschlossen, er bliebe aber eben genau das: eine Überraschung, mit der in der seriösen Prognose nicht als Regelfall zu rechnen ist.


Warum die zweite Woche 2026 vor allem an Zverev hängt

In der Summe bleibt die deutsche Herren-Bilanz auf einen Namen zugespitzt. Zverev ist der Einzige, für den das Erreichen des Achtelfinals der wahrscheinliche Verlauf und nicht die Ausnahme wäre. Die eigentliche Frage seines Turniers ist ohnehin eine andere, nämlich ob er endlich über die Achtelfinal-Barriere hinauskommt, an der er in Wimbledon bislang stets gescheitert ist. Struff, Hanfmann und Altmaier hingegen brauchen für die zweite Woche jeweils mehrere Erfolge gegen die Papierform, und im Fall Altmaiers zunächst überhaupt den Sprung in die zweite Runde. Auf der Damenseite ist die Ausgangslage noch klarer: Dort ist mit der 38-jährigen Tatjana Maria nur noch eine Deutsche im Rennen, während Laura Siegemund, Eva Lys, Ella Seidel und Tamara Korpatsch bereits ausgeschieden sind. Für Wett- und Prognosezwecke gilt daher: Der reine Titelmarkt führt aus deutscher Sicht klar über Zverev, während die eigentlich interessanten Ansätze eher in den Runde-für-Runde-Märkten der Außenseiter liegen. Einen strukturierten Überblick über die Angebote bietet der Quotenvergleich, wer sich generell in das Thema einlesen möchte, findet die Grundlagen im Bereich Tennis-Wetten.

Glücksspiel kann süchtig machen. Sportwetten sind erst ab 18 Jahren erlaubt; eingesetzt werden sollte nur Geld, dessen Verlust verkraftbar ist. Hilfe und Informationen zum verantwortungsvollen Spielen: Spielerschutz.

Häufige Fragen zur deutschen Wimbledon-Bilanz 2026

Welche deutschen Herren stehen noch im Turnier?

Stand Mittwoch, 1. Juli 2026, sind Alexander Zverev und Yannick Hanfmann in der zweiten Runde. Jan-Lennard Struff bestreitet sein Zweitrundenmatch gegen Brandon Nakashima, Daniel Altmaier muss sein bei Dunkelheit unterbrochenes Erstrundenmatch gegen Alex Molcan noch beenden.

Wer hat die besten Chancen auf die zweite Woche?

Klar Alexander Zverev. Der French-Open-Champion ist an Nummer zwei gesetzt und damit der einzige deutsche Herr, für den das Achtelfinale der erwartbare Verlauf ist. Bei Struff, Hanfmann und Altmaier wären dafür mehrere Erfolge gegen höher eingeschätzte Gegner nötig.

Wo läuft Wimbledon 2026 im deutschen TV?

Wimbledon ist in Deutschland und Österreich ausschließlich bei Amazon Prime Video zu sehen, ein Free-TV-Angebot gibt es nicht. Details dazu, welcher Sender Wimbledon 2026 überträgt, fasst unser Überblick zusammen.

Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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