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Neugebauer & Weber EM 2026: Siegquoten im Vergleich

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 04.08.26 (aktualisiert: 04.08.26)
geprüft von Sebastian Vierheim | 7 Min. Lesezeit

Leo Neugebauer und Julian Weber reisen als die beiden größten deutschen Goldhoffnungen zur EM 2026 nach Birmingham. Beide Siegwetten treffen auf ein dünn besetztes Favoritenfeld, doch die Risikoprofile hinter den Quoten unterscheiden sich fundamental.

Vom 10. bis 16. August werden im Alexander Stadium die 27. Leichtathletik-Europameisterschaften ausgetragen, erstmals in der Geschichte in Großbritannien. Der Deutsche Leichtathletik-Verband reist mit einem 116-köpfigen Aufgebot an, und in zwei Disziplinen gilt ein DLV-Athlet als möglicher Sieger: Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer vom VfB Stuttgart und Speerwerfer Julian Weber vom USC Mainz stehen beide im EM-Kader. Genau diese Konstellation macht die Siegwetten interessant, weil in beiden Fällen wenige ernsthafte Konkurrenten in Reichweite sind.

Unsere These: Wer beide Wetten gleich behandelt, weil beide Athleten als Favoriten geführt werden, bewertet zwei völlig verschiedene Produkte identisch. Der Zehnkampf verteilt das Risiko über zwanzig Einzelleistungen an zwei Tagen, der Speerwurf konzentriert es auf maximal sechs Versuche an einem Abend. Die Formkurven der beiden Athleten verstärken diesen Unterschied zusätzlich.


Warum Leo Neugebauers Vorsprung im Zehnkampf über zehn Disziplinen belastbar ist

Neugebauer hat 2026 zwei komplette Zehnkämpfe absolviert und beide auf hohem Niveau beendet. Beim Hypo-Meeting in Götzis Ende Mai kam der 26-Jährige auf 8.730 Punkte und musste sich nur dem Schweizer Simon Ehammer geschlagen geben, der 8.778 Zähler erreichte. Ende Juni gewann er bei seinem Debüt beim Stadtwerke Mehrkampf-Meeting in Ratingen mit 8.573 Punkten, erzielt bei Temperaturen um 36 Grad. In der 28-jährigen Meetinggeschichte waren dort nur drei Zehnkämpfer besser.

Entscheidend für die Bewertung ist die Struktur dieser Ergebnisse. In Ratingen stellte Neugebauer im Kugelstoßen mit 16,95 Metern und im Diskuswurf mit 53,32 Metern jeweils einen Meetingrekord auf, obwohl er im Hochsprung mit 1,97 Metern und über 110 Meter Hürden mit 14,69 Sekunden deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb. Ein Zehnkämpfer, der mit zwei schwachen Disziplinen immer noch 8.573 Punkte erreicht, verfügt über genau jenes Polster, das eine Siegwette trägt.

Seine Bestleistung liegt bei 8.961 Punkten und damit auf deutschem Rekordniveau. Bei der WM 2025 in Tokio gewann er mit 8.804 Punkten Gold, nachdem er sich erst im Speerwurf an die Spitze gesetzt hatte. Zuvor holte er in Paris olympisches Silber. Das ist die Referenz, an der sich das europäische Feld messen muss.

Die europäische Konkurrenz hat 2026 wenig Verlässliches geliefert

Der nominell stärkste Gegner ist Sander Skotheim. Der Norweger steigerte sich 2025 in Götzis auf 8.909 Punkte und führte damit die Weltjahresbestenliste an, schied bei der WM in Tokio nach einer Disqualifikation im Hürdensprint jedoch aus. In Ratingen beendete er den Hochsprung nach 1,91 Metern vorzeitig und trat zu den 400 Metern nicht mehr an. Ein belastbarer kompletter Zehnkampf fehlt ihm in dieser Saison damit weiterhin.

Dahinter steht Europameister Johannes Erm, der 2024 in Rom mit 8.734 Punkten triumphierte, sowie Ehammer als Götzis-Sieger. Der Franzose Makenson Gletty, EM-Dritter von 2024, kam in Ratingen auf 8.458 Punkte. Mit Niklas Kaul und dessen 8.528 Punkten aus Götzis stellt der DLV einen weiteren Podestkandidaten. Das Feld ist also nicht schwach besetzt, aber Neugebauer ist der Einzige, der 2026 zweimal in Folge über 8.500 Punkte geliefert hat.


Julian Webers Speerwurf-Saison hängt an einem einzigen Wettkampf über 87 Meter

Webers Ausgangslage ist eine völlig andere. Nach der WM in Tokio im September 2025 folgten zehn Monate ohne Wettkampf. Anhaltende Beschwerden verhinderten über Monate hinweg Sprints, Sprünge und schweres Krafttraining. Sein Comeback gab der 31-Jährige erst am 16. Juli 2026 in Luzern, und es geriet spektakulär: 87,04 Meter im ersten Wettkampf des Jahres, europäische Jahresbestleistung und Rang drei der Weltjahresbestenliste. Nach drei von sechs möglichen Versuchen beendete er den Wettbewerb vorzeitig.

Neun Tage später sicherte er sich bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid mit 82,60 Metern seinen sechsten Titel in Serie und zog damit mit Klaus Wolfermann gleich. Auch dort nutzte er nur vier Versuche, weil volles Training nach wie vor nicht möglich ist. Zweiter wurde Nick Thumm mit 81,45 Metern, Rio-Olympiasieger Thomas Röhler kam mit 79,12 Metern auf Rang vier, der deutsche Rekordhalter Johannes Vetter fehlte verletzungsbedingt.

Das europäische Niveau liegt 2026 auffällig niedrig

Vor Webers Rückkehr führte Titelverteidiger Jakub Vadlejch die europäische Jahresbestenliste mit 85,24 Metern aus dem Mai an. Der Tscheche hatte Weber 2024 in Rom mit 88,65 Metern im letzten Versuch noch die Goldmedaille entrissen, nachdem der Mainzer den gesamten Wettkampf über geführt hatte. Zwei Jahre zuvor war es in München umgekehrt gelaufen, dort gewann Weber mit 87,66 Metern EM-Gold. Bronze ging 2024 an den Finnen Oliver Helander mit 85,75 Metern.

Ein Feld, in dem vor Mitte Juli niemand über 86 Meter geworfen hat, ist die Definition eines dünnen Favoritenfelds. Nur genügt im Speerwurf ein einziger gelungener Versuch eines Außenseiters, um dieses rechnerische Polster zu kassieren. Webers eigene Bilanz belegt das eindrucksvoll: Trotz einer Bestleistung von 91,51 Metern, aufgestellt im August 2025 beim Diamond-League-Finale in Zürich, blieb er bei globalen Titelkämpfen ohne Medaille. Auf Platz vier bei Olympia 2021 und den Weltmeisterschaften 2022 und 2023 folgten Rang sechs in Paris und Rang fünf in Tokio, dort geschwächt durch einen Infekt.

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Wie das dünne Favoritenfeld die Siegquoten in beiden Disziplinen unterschiedlich verzerrt

Leichtathletik-Siegwetten sind ein Nischenmarkt. Deutlich weniger Buchmacher stellen überhaupt Quoten, die Märkte öffnen oft erst wenige Tage vor dem Wettkampf, die Limits sind niedrig und die Margen liegen spürbar über dem, was aus dem Fußball bekannt ist. Verbindliche Quoten für Birmingham lassen sich deshalb erst kurzfristig abrufen, ein Blick in den Quotenvergleich ist hier nicht optional, sondern die eigentliche Arbeit.

Der Grund liegt in der Preisbildung. In einem Markt mit einem dominanten Favoriten und drei bis fünf realistischen Verfolgern verteilt sich der Buchmacheraufschlag ungleich. Auf kurze Quoten wirkt sich jeder Zehntelpunkt Unterschied überproportional auf den Ertrag aus, und weil bei Nischendisziplinen deutlich weniger Handelsvolumen für Angleichung sorgt, fallen die Abweichungen zwischen den Anbietern größer aus als bei Bundesliga-Spielen.

Kriterium Zehnkampf (Neugebauer) Speerwurf (Weber)
Entscheidungsgrundlage 10 Disziplinen an zwei Tagen maximal 6 Versuche an einem Abend
Saisonnachweis 2026 zwei komplette Wettkämpfe über 8.500 Punkte ein Wettkampf über 87 Meter, ein Titelgewinn mit 82,60 Metern
Stärkster europäischer Rivale Sander Skotheim, 2026 ohne kompletten Zehnkampf Jakub Vadlejch, Titelverteidiger von 2024
Hauptrisiko Nullrunde in einer technischen Disziplin ein einzelner weiter Wurf der Konkurrenz
Marktbreite Sieg, Podest, Punkte über/unter, Duellwetten meist nur Sieg und Podest

Praktisch bedeutet das zweierlei. Im Zehnkampf existieren Ausweichmärkte, mit denen sich das Nullrunden-Risiko abfedern lässt, etwa Podestplatzierungen oder Punktemärkte. Im Speerwurf reduziert sich das Angebot in aller Regel auf Sieg und Podest, wodurch die Siegwette ohne Absicherung bleibt. Hinzu kommt, dass Startlisten-Nachrichten in diesen Märkten heftige Bewegungen auslösen. Eine kurzfristige Absage im Zehnkampf-Feld verschiebt die Preise binnen Stunden, und die Mechanik dahinter beschreibt unsere Einordnung zu Dropping Odds.


Was für die klaren Favoritenrollen beider DLV-Athleten spricht

Gegen die skeptische Lesart lässt sich einiges anführen. Neugebauer hat in Tokio bewiesen, dass er einen chaotischen Zehnkampf gewinnen kann, in dem der Weltjahresbeste ausscheidet und die Führung mehrfach wechselt. Am Ende trennten ihn zwanzig Punkte von Ayden Owens-Delerme. Wer unter diesen Bedingungen Weltmeister wird, bringt für ein europäisches Feld die passende Nervenstärke mit. Nach Ratingen ging es für ihn zur EM-Vorbereitung noch einmal für einen Monat ins Training nach Austin.

Für Weber spricht ein Muster, das in seiner Bilanz auffällig deutlich hervortritt: Auf kontinentaler Ebene gewinnt er Medaillen, auf globaler Ebene fehlen sie. Bei den beiden zurückliegenden Europameisterschaften holte er Gold und Silber, in Rom mit 85,94 Metern. Genau in dieser Region liegt das aktuelle europäische Spitzenniveau, während bei Weltmeisterschaften Werfer aus Indien, Pakistan, Grenada und Trinidad und Tobago das Anforderungsprofil nach oben verschieben. In Birmingham fehlt diese Konkurrenz vollständig.

Zudem lässt sich Webers Belastungssteuerung auch positiv lesen. Dass er in Luzern nach drei und in Bochum nach vier Versuchen aufhörte, war eine bewusste Entscheidung und kein erzwungener Abbruch. Die Weiten kamen jeweils früh in der Serie, was für einen funktionierenden Rhythmus spricht.


Warum die Siegwette auf Neugebauer der ruhigere Weg nach Birmingham ist

Beide Athleten haben realistische Goldchancen, und beide werden entsprechend kurz gehandelt werden. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Wahrscheinlichkeit, sondern in ihrer Verteilung. Neugebauers Vorsprung ist über zwanzig Einzelleistungen abgesichert und hat sich 2026 zweimal materialisiert. Sein Risiko ist klar benennbar und beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Nullrunde im Stabhochsprung oder in einem Wurf. Der Zehnkampf wird über zwei Tage ausgetragen und endet nach dem derzeitigen Zeitplan am 13. August.

Webers Fall liegt anders. Er ist der beste Werfer des Feldes, aber sein Nachweis 2026 besteht aus einem einzigen herausragenden Wettkampf nach zehnmonatiger Pause, und der Wettbewerb am 15. August entscheidet sich über wenige Versuche. Die Historie bei Titelkämpfen zeigt, wie oft genau diese Konstellation zuungunsten des Papierfavoriten ausgeht. Eine Siegquote, die Weber ähnlich hoch einschätzt wie Neugebauer, unterschätzt die Varianz seiner Disziplin.

Für die Praxis heißt das: Der Speerwurf ist eher ein Kandidat für Podestmärkte, während im Zehnkampf die Siegwette selbst das saubere Produkt bleibt. Weitere Einordnungen zu den deutschen Podestkandidaten liefert unsere Übersicht zu den Medaillenwetten bei der Leichtathletik-EM 2026, den Rahmen dazu die Termine und den Zeitplan der EM in Birmingham.

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Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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