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Nach dem WM-Aus: Wie es mit Julian Nagelsmann und der DFB-Spitze weitergeht

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 01.07.26 (aktualisiert: 01.07.26)
geprüft von Sebastian Vierheim | 4 Min. Lesezeit

Nach dem Ausscheiden im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay lässt der DFB die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann zunächst offen. Präsident Bernd Neuendorf kündigte Konsequenzen an, eine Entscheidung soll aber erst nach der Rückkehr aus den USA fallen. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt ein Trainerwechsel inzwischen als wahrscheinlich.

Das dritte frühe WM-Aus in Folge hat beim Deutschen Fußball-Bund eine Grundsatzdebatte ausgelöst. Die 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen gegen den Außenseiter Paraguay, nach einem 1:1 über 120 Minuten, beendete das Turnier für die deutsche Mannschaft überraschend früh. In den Tagen danach steht nun nicht nur die Trainerfrage im Raum, sondern die Ausrichtung der sportlichen Führung insgesamt.


Neuendorf kündigt Konsequenzen an, trifft aber noch keine Entscheidung

Auf die sonst übliche Abschlusspressekonferenz verzichtete der DFB. Stattdessen meldete sich Neuendorf rund zehn Stunden nach dem K.-o. mit einem Videostatement aus dem Teamquartier. Man werde nach einem solchen Rückschlag nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte der Verbandschef und stellte klar, dass das Abschneiden nicht den Ansprüchen genügt habe.

Einen Schnellschuss lehnte Neuendorf jedoch ab. In den kommenden Tagen wolle man die Gründe für das Versagen gemeinsam und in Ruhe aufarbeiten. Grundlage dafür war ein nächtliches Krisengespräch, das der Präsident noch in den USA mit Nagelsmann, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig geführt hatte. Erst nach dieser Analyse ist mit einer Festlegung zu rechnen, ob der Bundestrainer weitermacht oder der Posten neu besetzt wird.


Nagelsmann schließt einen Rücktritt aus

Der Bundestrainer selbst stellte unmittelbar nach dem Spiel klar, dass ein freiwilliger Rückzug für ihn nicht infrage kommt. Er sei keiner, der wegläuft, betonte Nagelsmann und verwies darauf, im Zweifel eine klare Ansage des Verbands abzuwarten. Zur Einordnung führte er seine Vorgänger Joachim Löw und Hansi Flick an, die nach WM-Enttäuschungen ebenfalls im Amt geblieben waren. Zugleich räumte er ein, aktuell keine Mehrheit der Fans hinter sich zu wissen.

Vertraglich ist Nagelsmann nach fast drei Jahren im Amt bis nach der EM 2028 gebunden. Im Interview auf der Verbandsseite sprach der 38-Jährige von einer extrem großen Enttäuschung. Eine eigene Mitschuld thematisierte er in seinen ersten Reaktionen kaum, was den Druck auf die Verantwortlichen zusätzlich erhöht.


Rückendeckung von Völler, dessen eigene Rolle wackelt

Klare Unterstützung erhielt Nagelsmann von Rudi Völler. Der Sportdirektor bezeichnete ihn als absoluten Toptrainer und äußerte die Überzeugung, dass er wahrscheinlich der Richtige sei, um weiterzumachen. Zugleich schränkte Völler ein, nicht allein über die Personalie zu entscheiden. Seine Haltung ist auch deshalb heikel, weil er als enger Fürsprecher seines Wunschtrainers gilt und selbst einen Vertrag bis nach der EM 2028 besitzt. Fällt die Entscheidung gegen Nagelsmann, dürfte damit auch Völlers Position zur Debatte stehen.

Aus dem DFB-Präsidium wird derweil berichtet, dass der Rückhalt für den Bundestrainer schwinde. Genau diese Konstellation macht die kommende Sitzung zur Weichenstellung: Zwischen Völlers öffentlicher Verteidigung und der kritischen Stimmung im Gremium liegt die eigentliche Entscheidung.


Klopp als Wunschkandidat, aber mit Vertrag bei Red Bull

Sollte sich der Verband für einen Neuanfang entscheiden, fällt zuerst ein Name: Jürgen Klopp. Der frühere Trainer von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool wird von vielen Fans und Fachleuten als Wunschlösung gehandelt. Bei dieser WM ist er als TV-Experte für MagentaTV im Einsatz, hauptberuflich arbeitet er seit Anfang 2025 als Global Head of Soccer für Red Bull. Auf entsprechende Nachfragen reagierte Klopp bewusst zurückhaltend und erklärte, über das Szenario noch nicht nachgedacht zu haben.

Ein schneller Wechsel wäre ohnehin kompliziert. Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff stellte klar, dass Klopps Vertrag keine Ausstiegsklausel für das Bundestraineramt enthalte. Als weitere Idealbesetzung wird Pep Guardiola gehandelt, der wiederholt den Wunsch geäußert hat, einmal eine Nationalmannschaft zu übernehmen. Hinter diesen beiden Namen wird die Auswahl allerdings dünn: Ein Comeback von Löw oder Jürgen Klinsmann gilt als unrealistisch, und Nagelsmanns früherem Assistenten Sandro Wagner fehlt für den Sprung auf die größte Bühne bislang die Cheftrainer-Erfahrung.


Umbruch im Kader und die nächsten Länderspiele

Unabhängig von der Trainerfrage steht ein personeller Umbruch an. Torhüter Manuel Neuer erklärte seinen erneuten Rücktritt aus der Nationalmannschaft, sodass die Position im Tor neu vergeben werden muss. Auch um andere Führungsspieler wie Joshua Kimmich dürfte eine Diskussion über die Zukunft des Gerüsts einsetzen, nachdem die Generation um die verbliebenen Stammkräfte erneut an einem großen Turnier gescheitert ist.

Sportlich bleibt wenig Zeit für eine lange Aufarbeitung. Das erste Länderspiel nach der WM steigt am 24. September in den Niederlanden zum Auftakt der Nations League, bis zum Jahresende folgen die Partien gegen Griechenland und Serbien. Diese Aufgaben markieren den Beginn eines neuen Zyklus, an dessen Horizont die EM 2028 in Großbritannien und Irland steht. Wer die Mannschaft dorthin führt, ist die zentrale Frage, die der DFB in den kommenden Tagen beantworten muss. Die WM selbst geht unterdessen ohne deutsche Beteiligung weiter, etwa mit dem Achtelfinale zwischen Kanada und Marokko.

Natalia Schubert - Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und Sportjournalistin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der datenbasierten Spielanalyse. Sie studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet mit professionellen Analyseplattformen wie Wyscout, InStat und Opta. Bei wetttippsheute.net verantwortet sie taktische Spielvorschauen, Hintergrundanalysen und die statistische Einordnung von Partien aus der Bundesliga, Champions League und weiteren internationalen Wettbewerben. Pro Saison verfolgt und analysiert sie über 300 Spiele.
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